Rettungsaktion für verletzten Höhlenforscher im Tennengebirge

14. August 2014, 21:09
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Pole in Jack-Daniel's-Höhle im Tennengebirge in 250 Metern Tiefe abgestürzt und schwer verletzt

Abtenau - Ein Arzt und ein Sanitätsteam sind am Donnerstagabend bei jenem polnischen Höhlenforscher eingetroffen, der in der Nacht auf Donnerstag in der Jack-Daniel's-Höhle im Salzburger Tennengebirge abgestürzt und dabei schwer verletzt worden ist. Es wurde mit der medizinischen Versorgung und der Wärmeversorgung des Verletzten begonnen, sagte Bergretter Wolfgang Gadermayr am Donnerstagabend.

Dem Verletzten gehe es den Umständen entsprechend gut, hieß es bei der Pressekonferenz in Abtenau. Er habe nach einer ersten Diagnose Verletzungen im Bereich des Oberschenkels und des Oberkörpers erlitten, wobei es sich um Brüche handeln soll. Zudem dürfte sich Marek G. eine Gehirnerschütterung und eine Unterkühlung zugezogen haben.

Telefonleitung verlegt

Die Telefonleitung ist in die Höhle verlegt worden, es konnte bereits Sprechkontakt zu den Einsatzteams hergestellt werden. Wann mit der Bergung des Patienten aus der Höhle begonnen wird, konnten die Einsatzkräfte noch nicht sagen, vor Mitternacht vermutlich nicht. Über Nacht werde das Bergekonzept detailliert ausgearbeitet - wie die Bergung durchgeführt werde und welche Geräte dafür verwendet werden, sagte Gadermayr. Es müssten auch noch weitere Fixierungen in der Höhle angebracht werden. Mit dem Ausbau des Bergeweges und der Erweiterung der Engstellen sei bereits begonnen worden. Erst nach Abschluss dieser Arbeiten könne der Transport des Polen aus der Höhle von statten gehen.

Wie lange es dauern wird, bis Marek G. aus der Höhle geborgen ist, dazu machte Gadermayr noch keine Angaben. Einsatzkräfte bestehend aus drei Teams würden die ganze Nacht über an der Rettung des Polen arbeiten, betonte der Bergretter.

Jene Bergretter, die von Beginn an bei der Rettungsaktion mitgeholfen haben, werden am Abend noch abgezogen, sagte Bergrettungssprecherin Maria Riedler. Sie seien durchnässt und erschöpft. Neue Mannschaften würden den Einsatz übernehmen. Der Hubschrauber konnte aufgrund einer Wetterbesserung am Abend auch wieder fliegen. Weitere Informationen über die aktuelle Entwicklung der Rettungsaktion werden morgen, Freitag, um 11.00 Uhr bei einer Pressekonferenz im Feuerwehrhaus Abtenau bekannt gegeben.

Unkonventioneller Name

Warum die Höhle ausgerechnet den Namen eines Whiskeys trägt, ist nicht überliefert. Unkonventionelle Namensgebungen sind bei Höhlen und Kletterrouten aber durchaus üblich.

Die Jack-Daniel's-Höhle ist laut Österreichischem Höhlenkataster 10,2 Kilometer lang und 748 Meter tief. Im Ranking der Österreischischen Höhlensysteme nimmt sie Platz 30 ein.

Die Jack-Daniel's-Höhle ist eine der längsten und tiefsten Höhlen des Tennengebirges und wurde von polnischen Teams (Jacek Wisniowski genannt "Jack" - dieser ist 2008 an Malaria verstorben) erforscht.

Vertikal und horizontal

Der Einstiegsteil verläuft schachtartig rund 300 Meter in die Tiefe. Die Höhle verläuft nicht nur vertikal, sondern auch horizontal. Nach dem schachtartigen Einstieg mit waagrechten Zwischenstufen gabelt sich die Höhle in etwa 200 Metern Tiefe, in ihr befinden sich beeindruckende tropfsteinartige Gebilde.

Der Ostteil setzt sich als trockener Canyon bis in 615 Meter Tiefe fort und endet in einer unpassierbaren Spalte. Der Südteil führt in einem breiten Gang zunächst auf eine Verzweigung in 240 Meter Tiefe zu mehreren weiter nach unten führenden Schächten. In 260 bis 380 Metern Tiefe befinden sich dort sogenannte Karkonoskie-Teile. (APA/neu, 14.8.2014)

  • Artikelbild
  • Rettungsarbeiten an der Jack Daniel's Höhle.
    foto: epa/bergrettung salzburg / wallinger

    Rettungsarbeiten an der Jack Daniel's Höhle.

  • Die Höhle wurde von einem polnischen Team erforscht.
    foto: standard

    Die Höhle wurde von einem polnischen Team erforscht.

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