Stolperstein auf dem Weg zum Erfolg

20. August 2014, 10:56
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Über die Basis eines robusten Wohlbefindens und wofür eine selbstbewusste Kultur gut ist

Wir schreiben uns selbst insgeheim einen Wert zu: den Selbstwert. Er bestimmt sowohl Verhalten als auch Erfolg. Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl neigen zu vier unterschiedlichen Mustern:

  • Sie beschwichtigen, nehmen ständig alle Schuld auf sich, wollen anderen alles recht machen, sprechen eher piepsend und ihre Körperhaltung ist geduckt.
  • Sie beschuldigen andere, nichts richtig machen zu können, treten kraftvoll laut und polternd auf und beginnen gerne mit „Du hast …“, „Sie sind …“.
  • Sie rationalisieren und halten sich an das Primat der Logik, sind übervernünftig und „intellektuell“, hören sich monoton an und erscheinen eher starr.
  • Sie lenken vom Thema ab und reagieren seltsam, da sie ständig vom Spielfeld laufen und abschweifen, die Unruhe zeigt sich in den Gesichtszügen und der Körperhaltung.

Doch allen ist (nach Virginia Satir) gemeinsam, dass sie sich innerlich einsam und wertlos fühlen - ja, sogar hilflos. Ebenso schwierig, das andere Extrem: Der überhöhte Selbstwert führt zu Narzissmus, zur Falscheinschätzung von Risiken, zum Verlust des Einfühlungsvermögens und zur Überschätzung der eigenen Beliebtheit. In beiden Fällen existiert die Grundhaltung, möglichst von anderen geliebt zu werden und den Status quo aufrechtzuerhalten. „Man sollte …“ und ein Vergangenheitsbezug sind Triebfedern der Reaktionen. Die permanente Selbstbeschäftigung mindert oder verlangsamt Leistung und Innovation. Am Ende führen diese Muster zu Beleidigungen, persönlichen Verletzungen, Aggressionen und Konflikten (auch im Privatleben).

Leistung und Kreativität unterstützen

Erst mit gesundem Selbstwert findet Kommunikation direkt, klar und spezifisch satt. Menschen reagieren dann auf Situationen angemessen, flexibel, tolerant und kongruent. Stimme und Körpersprache passen zum Kontext. Reflexion und das Einbringen persönlicher Fähigkeiten, Erfahrungen und Intelligenz in die Arbeit sind möglich. Somit werden Leistung und Kreativität unterstützt - die Möglichkeit des Scheiterns ist dabei einkalkuliert.

Der gesunde Selbstwert ist die Basis für ein robustes psychisches und physisches Wohlbefinden, führt zu großer Ausdauer beim Verfolgen von Zielen (Resilienz), senkt Ängste und erhöht die soziale Kompetenz. Nur so ist es möglich, sich selbst und andere zu lieben, sich seiner Wahlmöglichkeiten und Verantwortung bewusst zu sein, auf die Gegenwart und Zukunft ausgerichtet zu agieren, im Vertrauen auf das Gute erfolgreich zu sein. Eine sich „ihrer selbst bewusste“ Kultur fördert daher den Selbstwert und somit die Selbstwirksamkeit der Organisation. (DER STANDARD, 16./17.8.2014)

Sabine Lengyel-Sigl ist Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologin, Gründerin von Resi Psychology und Autorin von "Corporate Awareness. Werte und die (R)Evolution der Arbeit" sowie "Diva Liebe. Unerwartet eins".

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