"Nur elf Prozent sind aktiv auf Jobsuche"

16. August 2014, 12:16
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Die Möglichkeiten des „Social Recruiting“ wurden im deutschsprachigen Raum erst in ihren Grundzügen erkannt, sagt Till Kaestner, LinkedIn-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Seit nunmehr gut einem Jahr leitet Till Kaestner die Geschicke der amerikanischen Businessplattform LinkedIn in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) mit dem vorrangigen Ziel, mehr Mitglieder und Marktanteile zu gewinnen.

Zwar führt LinkedIn die weltweite Liste der Berufsnetzwerke an, im deutschsprachigen Raum steht das Unternehmen aber nach wie vor noch hinter dem größten Konkurrenten Xing. Das Hamburger Unternehmen, Tochter des Medien- und Onlinekonzerns Burda, zählt derzeit 7,4 Millionen Mitglieder, LinkedIn zählt in der Gesamtregion über fünf Millionen.

Wenn man sich ansehe, dass die Zielgruppe der Fach- und Führungskräfte in der Region bei 20 bis 25 Millionen liege, sei da noch „massives Potenzial in der Mitgliedergewinnung“ vorhanden, so Kaestner. Er gibt sich optimistisch, „die Wachstumszahlen sehen zurzeit sehr gut aus.“

Social Recruiting nimmt zu

Auf den Lösungen respektive Beratungsleistungen in den Bereichen Rekrutierung - dem Social Recruiting -, Marketing und Sales liege „schwerpunktmäßig die Wertschöpfung“ des Unternehmens, so Kaestner.

Als Konkurrenz klassischer Headhunter und Personalberater sehe man sich nicht, man stelle sich als Businessplattform nämlich nicht zwischen Unternehmen und Bewerbermarkt. Aber man ermögliche Unternehmen, wie Kaestner klarstellt, über Beratung und entsprechende Tools die Plattform sehr wohl auch für Rekrutierungszwecke zu nutzen. Diese sogenannten Talent-Solutions machen bereits 58 Prozent des globalen Umsatzes aus.

Für die Unternehmen interessant sind vor allem die „passiven Kandidaten“, sagt Kaestner, also jene Mitglieder, die nicht aktiv auf Jobsuche seien. Denn tatsächlich seien es nur elf Prozent, die die Plattform aktiv zur Jobsuche nutzen. „Die Problematik vieler Unternehmen, die hohe Einstellungsziele haben, ist ja, dass nur ein ganz kleiner Teil der arbeitenden Bevölkerung wirklich aktiv nach einem Job sucht und - auch angetrieben durch den demografischen Wandel - immer weniger der wirklich kritischen Rollen auf dem aktiven Arbeitsmarkt besetzbar sind“, so der LinkedIn-Chef. Auch das spreche für eine „intelligente Nutzung“ der Plattform, betont er.

Internationales Recruiting

Allerdings stehen die meisten Unternehmen in der deutschsprachigen Region da noch eher am Anfang. In den USA sei die Marktdurchdringung im Bereich des Social Recruiting sehr hoch, in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die Unternehmen dieses Thema erst in seinen Grundzügen für sich erkannt, erklärt Kaestner, dort gelte es zunächst den Bereich für Recruiting und Human Resources zu absorbieren.

Der spürbare Fach- und Führungskräftemangel werde die Entwicklung aber vorantreiben, ist Kaestner überzeugt. Vor allem sieht er hier Potenzial in der internationalen „Suche“. Laut einer Bitkom-Research-Studie für Deutschland - rund 1400 Personalverantwortliche wurden befragt - beschäftigen 13 Prozent aller Unternehmen in Deutschland ausländische Fach- und Führungskräfte, bei Großunternehmen (ab 500 Mitarbeiter) seien es bereits 58 Prozent.

Große Hoffnung liegt hier auch in der wachsenden Community der Studierenden, der zurzeit am stärksten wachsenden Gruppe, so Kaestner. Das mache diese Generation, die jetzt in die Berufe gehe, ja auch aus, nämlich sich über Beziehungen auf Businessplattformen Informationen über potenzielle Arbeitgeber zu holen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 16./17. August 2014)

  • Netzwerken als Profession: Till Kaestner, eigentlich gelernter Architekt, leitet seit gut einem Jahr die Plattform LinkedIn in der DACH-Region.
    foto: ho

    Netzwerken als Profession: Till Kaestner, eigentlich gelernter Architekt, leitet seit gut einem Jahr die Plattform LinkedIn in der DACH-Region.

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