Die frühen Anfänge der Mumifizierung

13. August 2014, 20:00
13 Postings

Bisher ging man davon aus, dass die alten Ägypter ihre Toten ab etwa 2200 vor unserer Zeitrechnung künstlich konservierten. Nun legen neue Funde einen mehr als 1.000 Jahre früheren Beginn des Brauches nahe

Sydney - Nirgends wurden Techniken zur Konservierung verstorbener Menschen und Tiere so weit entwickelt und umfangreich praktiziert wie im alten Ägypten. Nach heutigem Wissensstand begruben die Ägypter ihre Toten im späten Neolithikum und in der Prädynastik bis etwa 3100 vor unserer Zeitrechnung in der Wüste, wo sie durch den trockenen, heißen und salzhaltigen Sand natürlich konserviert wurden.

Mit der Etablierung von Gräbern und Särgen fiel dieser natürliche Effekt allerdings weg. Erste vereinzelte Hinweise auf die Verwendung von Harzen zur Einbalsamierung und künstlichen Konservierung werden auf etwa 2200 v. u. Z. datiert. Einige hundert Jahre später dürfte diese Praxis schon weit verbreitet gewesen sein, wie Funde nahelegen.

Antibakterielle Substanzen

Nun lässt ein internationales Forscherteam mit einer Studie aufhorchen, die auf viel frühere Ursprünge der Mumifizierung hindeutet: Wie die Forscher um Jana Jones (Macquarie University Sidney) und Stephen Buckley (University of York) im Fachblatt "Plos One" berichten, dürften die Anfänge der Mumifizierung nämlich schon mehr als 1000 Jahre länger zurückliegen als angenommen. In elfjähriger Arbeit untersuchten die Wissenschafter Bestattungstextilien aus Grabstätten eines der ältesten bekannten Friedhöfe Ägyptens in Mostagedda (4500 bis 3350 v. u. Z.). Das überraschende Ergebnis: Auf den oberägyptischen Leichentüchern fanden sich Spuren komplex zusammengesetzter Substanzen, die offenbar zur Konservierung der Toten dienten.

Durch biochemische Analysen konnten ein Pinienharz, Pflanzenextrakte, Petroleum und tierisches oder pflanzliches Fett identifiziert werden; nach Angaben der Forscher durchwegs Zutaten, die in ähnlichen Zusammensetzungen noch 2500 bis 3000 Jahre später auf dem Höhepunkt der ägyptischen Einbalsamierungskunst verwendet wurden. Die Einbalsamierung ist ein wichtiger Schritt im Zuge der kompletten Mumifizierung.

Das Potenzial der antibakteriell wirksamen Substanzen, Weichteilgewebe zu erhalten, sei also ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich bei den Funden um sehr frühe Experimente zur künstlichen Konservierung von Toten handelt, so die Forscher. (David Rennert, DER STANDARD, 14.8.2014)

  • Mostagedda im heutigen Mittelägypten ist ein bedeutender prädynastischer  Fundort. In dortigen Grabstätten fanden Wissenschafter nun die frühesten  Spuren menschlicher Einbalsamierungen.
    foto: : g. brunton

    Mostagedda im heutigen Mittelägypten ist ein bedeutender prädynastischer Fundort. In dortigen Grabstätten fanden Wissenschafter nun die frühesten Spuren menschlicher Einbalsamierungen.

  • Bestattungstextil mit Harzspuren aus einem Grab in Mostagedda.
    foto: oldfield/jones

    Bestattungstextil mit Harzspuren aus einem Grab in Mostagedda.

Share if you care.