Die Brücke am Horst: Westring stört Wanderfalken

13. August 2014, 17:53
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Die Diskussion um den Bau des Linzer Westrings (A26) ist um eine Facette reicher. Naturschützer schlagen Alarm, da seltene Wanderfalken bevorzugt im geplanten Bauabschnitt nisten.

Linz – Es ist nicht mehr als eine Felsnische im östlichen Bereich der sogenannten "Urfahrwänd" unmittelbar vor der Linzer Stadteinfahrt. Und doch ist die Gesteinsformation jetzt Ort einer rechtlich und politisch höchst brisanten Debatte.
Nachweislich haben nämlich Wanderfalken vor mehreren Jahren den Felsvorsprung zur Geburtenstation erklärt. Aus ornithologischer Sicht spannend ist vor allem aber die Geburtenrate – Experten sprechen von einem Brutplatz von "außerordentlicher Qualität" mit der "höchsten Brutfolgerate" im außeralpinen Raum.

So weit, so paradiesisch für den streng geschützten Greifvogel – zumindest im Moment. Denn dem liebevoll errichteten Horst droht die Sprengung. Grund dafür ist die ab 2015 geplante Errichtung der vierten Donaubrücke als Teil des umstrittenen Linzer Westrings (A26). Dort, wo heute noch Eier abgelegt werden, soll in wenigen Jahren der Brückenanschlag erfolgen.

Dass die Stelle nicht unbewohnt ist, dürfte auch den Verantwortlichen im Verkehrsministerium bereits seit geraumer Zeit bekannt sein. Zumindest heißt es in Umweltverträglichkeitsgutachten aus dem Vorjahr, dass es für den Wanderfalken (Falco peregrinus) "zu einem Verlust eines Brutplatzes kommen wird". Eng wird es übrigens auch für den Mittelspecht: "Es ist ein Teilverlust des Reviers zu erwarten."

EU-Vogelschutzrichtlinie

Resümierend wird aber in dem Gutachten festgehalten, dass unter Berücksichtigung vorgesehener Ausgleichsmaßnahmen "keine erheblichen Beeinträchtigungen lokaler Populationen von artenschutzrechtlich geschützten Arten zu erwarten seien".
Beim oberösterreichischen Naturschutzbund will man das so nicht hinnehmen. "Der Wanderfalke ist im ‚Anhang 1‘ der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union verzeichnet und genießt strengen Schutz. Eine Störung, Veränderung oder Zerstörung der Brutplätze ist nicht gestattet", warnt Obmann Josef Limberger. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Rettet den Wanderfalken“ habe man bereits die zuständigen Stellen bei der EU-Kommission informiert.

Im Büro von Oberösterreichs Naturschutzlandesrat Manfred Haimbuchner (FP) hört man auf Nachfrage zum ersten Mal von dem gefiederten Problem. Nach einem kurzen Blick auf die Karte scheint aber zumindest eines klar zu sein: Da der besagte Horst "sehr nahe" an der Linzer Stadtgrenze liege, gelte es "zuerst einmal in aller Ruhe die Zuständigkeit – ob Land oder Stadt – zu prüfen".

Standorttreu

Eines ist aber jetzt bereits klar: Den Westring-Gegnern kommt der seltene Vogel wie geflogen. Gerda Lenger, Klubobfrau der Grünen Linz, fordert einmal mehr das sofortige Aus für das "vorgestrige Autobahnprojekt". Es sei unvorstellbar, dass ein "derart überteuertes, auf fragwürdigen Zahlen aufbauendes, wertvolle Naturräume zerstörendes und menschenfeindliches Projekt einen positiven Bescheid erhält". Auch die „Überparteiliche Plattform gegen die Westring-Autobahn A26 mitten durch Linz“ kritisiert, bisher sei der Standort nicht ausreichend auf Vorkommen geschützter Arten geprüft worden.

Bleibt die Frage, ob man dem Greifvogel nicht in Stadtnähe ein Ersatzquartier anbieten könnte? Limberger: "Das ist einfach unmöglich – brütende Wanderfalken sind standorttreu." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 14.8.2014)

  • Für den Linzer Westring zu rasant unterwegs. Das normale "Schritttempo" des Wanderfalken liegt bei 100 km/h. Beim Angriff im Sturzflug erreicht der Greifvogel Spitzen bis zu 250 km/h.
    foto: josf limberger

    Für den Linzer Westring zu rasant unterwegs. Das normale "Schritttempo" des Wanderfalken liegt bei 100 km/h. Beim Angriff im Sturzflug erreicht der Greifvogel Spitzen bis zu 250 km/h.

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