Waffenruhe in Nahost verlängert, gegenseitiger Beschuss

14. August 2014, 00:08
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Kurz vor Ablauf wieder Rakete auf Israel gefeuert - Hamas dementiert Verantwortung - Vergeltungsangriff Israels

Gaza/Jerusalem/Kairo - Israel und die Palästinenser haben eine weitere Verlängerung der Waffenruhe im Gazastreifen um fünf Tage vereinbart. Das sagte Delegationsleiter Assam al-Ahmed am Mittwochabend in Kairo. Auch Ägypten und die Hamas bestätigten die Einigung. Israel äußerte sich zunächst nicht dazu. Kurz vor dem Durchbruch schossen militante Palästinenser erneut Raketen auf Israel - die israelische Armee reagierte.

"Beide Seiten haben sich darauf geeinigt, die Waffenruhe um fünf Tage zu verlängern, um weitere Verhandlungen zu ermöglichen", teilte das ägyptische Außenministerium am späten Mittwochabend in Kairo mit. Kurz zuvor war noch von einer dreitägigen Verlängerung der Feuerpause die Rede gewesen.

Beide Seiten erzielten demnach eine Dreiviertelstunde vor Ablauf der aktuellen Feuerpause um Mitternacht (Ortszeit) die Einigung. Militante Palästinenser hatten wenige Stunden zuvor erstmals seit Beginn der Waffenruhe in der Nacht zu Montag wieder eine Rakete auf Israel abgefeuert. Das Geschoß verursachte laut Polizei beim Einschlag im Süden Israels weder Schäden noch Opfer.

Offiziell keine Verletzten

Die israelische Armee griff daraufhin nach eigenen Angaben in der Nacht zum Donnerstag mehrere Ziele palästinensischer Extremisten im Gazastreifen an, wie Armeesprecher Peter Lerner via Twitter mitteilte. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurde dabei niemand verletzt. Es seien unbebaute Gebiete im nördlichen und südlichen Gazastreifen getroffen worden.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte die Angriffe als Antwort auf den Beschuss angeordnet. Die im Gazastreifen herrschende Hamas erklärte, sie sei für die Raketen auf Israel nicht verantwortlich. Die radikal-islamische Organisation berichtete ihrerseits, Israel habe die Waffenruhe verletzt.

Bei ihren dreitägigen Verhandlungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gelang es Israelis und Palästinensern bisher nicht, sich auf einen dauerhaften Waffenstillstand zu einigen. Zuletzt bestand weiterhin kein Konsens über zwei Hauptstreitpunkte: die Entwaffnung der palästinensischen Hamas-Bewegung einerseits und die Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens andererseits.

"Einigkeit in vielen Punkten"

Der palästinensische Delegationsleiter Ahmed berichtete nach der Einigung auf eine Verlängerung der Waffenruhe jedoch, dass mit Blick auf die Beendigung der Abschottung des Gazastreifens "in vielen Punkten Einigkeit" erzielt worden sei.

Die ägyptischen Vermittler schlugen laut einem Papier zuletzt vor, zunächst einen längerfristigen Waffenstillstand zu vereinbaren, die Diskussion über die Aufhebung der Blockade sowie die Aushändigung zweier getöteter israelischer Soldaten aber um einen Monat zu vertagen.

Dem führende Hamas-Politiker Ismail Haniyeh zufolge, könne eine dauerhafte Waffenruhe nur dann erzielt werden, wenn die Blockade des Palästinensergebiets aufgehoben werde. "Die Opfer unseres Volkes erlauben es uns nicht, über diese Forderung zu verhandeln", teilte Haniyeh mit. Man werde sich bei den Verhandlungen nicht erpressen lassen.

Appell aus den USA

US-Präsident Barack Obama forderte unterdessen in einem Telefonat mit Netanyahu eine dauerhafte Waffenruhe. Er bekräftigte zudem die Unterstützung der USA für die ägyptischen Vermittlungsversuche, wie das Weiße Haus am Mittwoch mitteilte. Eine Einigung müsse die Sicherheit Israels gewähren und die humanitäre Krise im Gazastreifen berücksichtigen.

Israel hatte seine Offensive im Gazastreifen am 8. Juli als Reaktion auf fortwährenden Raketenbeschuss seiner Grenzorte begonnen. Vor gut einer Woche zog es seine Bodentruppen wieder ab, setzte seine Luftangriffe aber fort, mit Unterbrechungen während zweier Feuerpausen.

Seit Beginn der Offensive starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1.950 Menschen und mehr als 10.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere Hundert Menschen erlitten Verletzungen.

Schon im Verlauf des Tages hatte Israel in Erwartung einer möglichen neuen Eskalation der Gewalt zusätzliche Truppen an die Grenze zum Gazastreifen verlegt. Israelische Medien berichteten, es seien auch weitere Reservisten mobilisiert worden.

Bei der Explosion eines israelischen Blindgängers im Gazastreifen wurden am Mittwoch sechs Menschen getötet, darunter ein italienischer und ein palästinensischer Journalist. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. (APA,Reuters, 14.8.2014)

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