Uber gegen Lyft: Das ist Brutalität

12. August 2014, 18:07
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Zwei von Wagniskapitalgebern üppig finanzierte Start-ups fechten derzeit den Kampf der Kämpfe im Silicon Valley aus.

Das epische Duell zwischen Apple und Google verblasst aktuell vor einem ganz anderen Kampf. Zwei von Wagniskapitalgebern üppig finanzierte Start-ups fechten derzeit den Kampf der Kämpfe im Silicon Valley aus. Es geht um nicht weniger als das Aus für die klassische Taxibranche: Uber und Lyft wollen Taxis überflüssig machen und drohen auf dem Weg dahin, einander das Wasser abzugraben.

Beide Neugründungen firmieren nur wenige Blocks voneinander entfernt in San Francisco. Ihre erbittert geführte Fehde ergreift mittlerweile auch andere Städte, wo sie um die Vormacht kämpfen, per App ihren Nutzern innerhalb weniger Minuten eine private Autofahrt zu organisieren.

Machtkampf zweier Tech-Lieblinge.

Beide Rivalen unterbieten sich bei den Preisen und jagen einander die Fahrer ab. Aber es geht um mehr als den knallharten Machtkampf zweier Tech-Lieblinge. Es ist die Schlacht um die Schlüsselrolle im Transport der Zukunft. Viele Pendler verlassen sich mittlerweile auf Uber oder Lyft statt auf Taxis, Busse, das eigene Auto oder Züge. Der lauteste Protest gegen den Privattransport kommt von Aufsehern, Taxifahrern und örtlichen Taxiverbänden, die beide Unternehmen aus den Städten der USA verbannen wollen.

Der Markt der Unternehmen könnte in Zukunft auch über den reinen Personentransport hinausgehen und sich etwa auf die Paketablieferung ausweiten. Uber verdankt seine Marktbewertung von mehr als 18 Milliarden US-Dollar auch der Erwartung der Investoren, dass das Unternehmen zu einem Logistikanbieter expandieren könnte – zum Beispiel als Paketdienst innerhalb von Städten.

Momentan ist der Kampf alles andere als ausgewogen. Das vom scharfzüngigen Travis Kalanick geführte Uber operiert auf drei Mal so vielen Märkten wie Lyft mit ihren Gründern Logan Green und John Zimmer.

"Fair Play"

Die Rivalität erstreckt sich auch auf die Anwerbung neuer Fahrer, der Nabelschnur für diese Dienste. Im Kampf der beiden geht es vor allem darum, die größten Netze mit der kürzesten Zeitspanne bis zur Abholung aufzubauen. Lyft moniert hier mangelndes „Fair Play" von Uber. Die vergangenen Monate hätte Uber aggressiv Fahrer abgeworben und ganz bewusst die Service-Geschwindigkeit des Rivalen abgebremst, sagte eine Sprecherin für Lyft.

Demnach hätten von Uber angeheuerte Passagiere Lyft gebucht und seien nur kurz um den Block gefahren, was sie mehrmals wiederholt hätten. Das bindet Fahrer und ist schlecht für das Geschäft von Lyft. Aus Dokumenten geht hervor, dass Uber Kopfprämien von 250 Dollar für jeden abgeworbenen Fahrer bietet. Eine Uber-Sprecherin bestätigte die Abwerbe-Anreize, dementierte jedoch, absichtlich mit kurzen Fahrten Lyft-Dienste auszuhebeln.

Als weiteres Scharmützel beider Startups erwies sich vergangene Woche die Präsentation neuer Mitfahrdienste, bei denen sich mehrere Passagiere die Transportrechnung teilen. Beide Anbieter kamen mit dem Dienst nur wenige Stunden nacheinander heraus. In diesem Punkt hatte Lyft die Nase vorn. „Ich fühle mich geschmeichelt, wenn andere Firmen auf unsere Innovationen blicken und ähnliche Dinge machen", erklärt Gründer Zimmer.

Uber beansprucht die Position des Innovationsführers jedoch für sich. „Uber war der erste auf dem Markt – bereits im Jahr 2010 – als noch niemand unsere Idee für realisierbar hielt", sagt die Sprecherin. Für Uber und Lyft könne es Sinn ergeben, von den Innovationen des anderen immer wieder abzukupfern, um keinen potenziellen Hit zu verpassen, meint Anlegerin Lisa Gansky, die in die kleinere Mitfahrgelegenheitsagentur Sidecar investiert.

Gegenseitiger Ideenklau

Angesichts all der Mittel, die aktuell an Uber fließen, könnte die App auch einfach Lyft übernehmen und die Rivalität beenden. Das kleinere der beiden Startups wurde im April bei einer Finanzierungsrunde mit 700 Millionen Dollar bewertet. Uber sammelte im Juni mal so eben 1,2 Milliarden Dollar ein. Kalanick hält allerdings wenig von Zukäufen und will in Eigenregie populäre Funktionen entwickeln.

Am erfolgreichsten kupferte Uber mit seinem Dienst UberX von Lyft ab, mit dem die Firma im Jahr 2012 an den Start ging und der Privatfahrer mit Passagieren zusammenbringt. Vorher war Uber ein hochklassiger Autoservice, der Lincoln-Limousinen im Sortiment hatte. Wenige Monate nach Lyft zog Uber nach und baute in der Folge ein günstigeres Transportnetzwerk auf, das ein breites Publikum anspricht.

Doch auch Lyft bedient sich in großem Stil bei Ubers Ideen. Der Konkurrent hatte die Echtzeit-Karte entwickelt, mit der Fahrer ganz in der Nähe gezeigt werden. Das Design von Lyfts App fällt jetzt sehr ähnlich aus. Auch bei den Preisen, die zu Stoßzeiten höher als zu anderen Zeiträumen ausfallen, klaute Lyft bei Uber.

Preiskrieg

Gleichzeitig liefern sich beide Anbieter einen Preiskrieg. Anfang des Jahres verzichtete Lyft sogar auf seine zwanzigprozentige Provision bei absolvierten Fahrten. Mittlerweile kassiert Lyft zwar wieder, aber basiert die Provisionen darauf, wie häufig jemand für den Dienst fährt. Wer 50 Stunden und mehr für Lyft im Einsatz ist, muss gar nichts hinblättern.

Mehr und mehr Fahrer würden sich von Lyft abwenden, sobald das Unternehmen wieder Provisionen kassiert, meint Mohan Lama, der früher Taxifahrer in San Francisco war und jetzt für Uber fährt. „Lyft ist in der Falle."

Das Buhlen um Fahrer brachte auch weitere Privilegien mit sich – von Versicherungsleistungen bis hin zur Finanzierung neuer Autos. Erst vergangenen März kündigten beide Streithähne separat voneinander an, Fahrten zwischen Passagiertransporten zu versichern. Dadurch ist nicht nur die Zeit mit dem Passagier an Bord abgedeckt. Diese Schritte halfen den Startups dabei, schwere rechtliche Bedenken der Aufseher zu zerstreuen.

2 Milliarden Dollar

Die Tatsache, dass Uber und Lyft so einfach Funktionen des jeweils anderen kopieren dürften, zeige, wie niedrig die Einstiegsbarrieren in dieser sehr jungen Branche seien, meint Analyst Thilo Koslowski von Gartner. Da Uber und Lyft weder Autos besäßen noch Fahrer beschäftigten, brächten sie im Grunde lediglich Passagiere und Wageninhaber zusammen.

Trotzdem glauben Investoren an die Erfolgsgeschichte beider Neugründungen. Sie haben bereits fast 2 Milliarden Dollar in die Unternehmen gepumpt. Millionen Passagiere nutzen schon Uber und die App zählt zu den beliebtesten Programmen im App-Store von Apple. „Es ist extrem hart, die Nachfrage zu organisieren", betont Partner Bill Gurley von Benchmark, der zugleich im Verwaltungsrat von Uber sitzt. „Wenn jemand erst einmal auf dem iPhone eines Nutzers installiert ist, bleibt das ziemlich lange haften." (DOUGLAS MACMILLAN, WSJ.de/derStandard.at 12.8. 2014)

  • Ein Lyft-Transport
    foto: ap

    Ein Lyft-Transport

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