Telekom und Burg spielten im Abseits

12. August 2014, 17:51
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Der Staatsanwalt studiert gerade den Endbericht zur Causa Telekom-Burg. Rückblickend hätte das Theater 2008 auf die Zwischenschaltung des roten Echo-Medienhauses verzichten können

Wien - Anders als üblich steht das Burgtheater gerade selbst auf der Bühne - und zwar auf jener der Justiz. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt rund um das Finanzdebakel, die Staatsanwaltschaft Wien rund um die Vermietung des Theaters anlässlich der Fußball-EM (EURO 2008) um eine Million Euro ans Echo-Medienhaus. Das SPÖ-nahe Unternehmen hat die Burg (lag mitten in der Fan-Zone) als Public-Viewing-Location an A1 und Telekom weitervermietet. Laut "Kronzeugen" soll die Telekom aber zehn Millionen bezahlt haben. Ermittelt wird auf Basis einer anonymen Anzeige, die Staatsanwaltschaft prüft gerade den Endbericht zur Causa, so eine Sprecherin.

Beschuldigt sind u.a. Ex-TA-Chef Boris Nemsic, TA-Chef Hannes Ametsreiter, der frühere kaufmännische Burg-Chef Thomas Drozda und Echo-Medienhaus-Chef Christian Pöttler. Sie weisen die Vorwürfe (Verdacht auf Untreue bzw. Beihilfe dazu) zurück, und es gilt die Unschuldsvermutung. Pöttler hält heute 40 Prozent an der FFPG BeteiligungsgmbH, an die Echo-Medienhaus Anfang 2014 verkauft wurde.

Vermieten lukrativer als Schauspielen

Für die Burg war die Vermietung jedenfalls ein Geschäft, wie in der Aufsichtsratssitzung vom 13. Juni 2008 erörtert wurde. Die Sitzung war Drozdas letzte, er wechselte dann an die Vereinigten Bühnen Wien. Man kam dabei auch auf die EURO 2008 zu sprechen: Durch die Vermietung habe die Burg im Juni um 670.000 Euro mehr eingenommen als bei aufrechtem Spielbetrieb.

Auf die Frage eines Aufsichtsratsmitglieds, ob es stimme, dass die Vermietung "nicht nur für die Burg sehr lukrativ war, sondern ganz besonders für ein dahinterliegendes Unternehmen" und die Burg bei einer Direktvermietung an die Telekom mehr bekommen hätte, erklärte Drozda die Details.

Burg-Mietersuche gescheitert

Diese Variante habe es gegeben, aber die Telekom habe im ersten Gespräch mit der Burg nur die Anmietung fürs Eröffnungsspiel in Aussicht genommen, gegen Zahlung von 100.000 Euro. Danach sei dann "die Idee der Telekom und der Agentur" (gemeint offenbar: Echo-Medienhaus) entstanden, weitere Partner für die Einmietung zu suchen. "Es wurden mehrere Institutionen gefragt", etwa Post, Stadt Wien oder Bundesregierung. Danach habe "die Agentur gesagt, sie übernimmt das gesamte Risiko für die Vermietung und gibt uns eine Million Euro und zusätzlich 20.000 Euro für einen Abbautag".

Nach mehreren Monaten habe sich die Telekom aber entschieden, "das (die Vermietung, Anm.) exklusiv zu nehmen". Die Agentur habe übrigens auch das Restaurant Vestibül gemietet; da hätten sich aber alle Weitervermietungspläne zerschlagen. Drozda: "Nur die Agentur blieb über", mit einem Verlust von 350.000 Euro.

Verdacht der Parteienfinanzierung

"Mit der Weisheit des Rückblicks" und dem Wissen, dass die Telekom die Burg exklusiv und jeden Tag mieten würde, "hätten wir den Vertrag direkt mit der Telekom gemacht - schon um uns den Vorwurf der Parteienfinanzierung zu ersparen", erklärte Drozda den Burgtheater-Kontrolloren damals. (Die Grünen stellten im Juli 2008 eine parlamentarische Anfrage; aber an den falschen Minister.) Auch Aufsichtsrats- und Bundestheater-Chef Georg Springer klinkte sich damals in die Debatte im Aufsichtsrat ein. Laut ihm gab es einen ersten Kontakt der Burg mit Telekom und Post, dann sei "die Telekom mit der Agentur dahergekommen".

Laut Pöttler hat Echo-Medienhaus mit dem Deal unterm Strich weniger als 50.000 Euro verdient. Drozda ("Ich wurde nur einmal, im Oktober 2012, von der Staatsanwaltschaft befragt") will sich zur Causa "persönlich kein Urteil anmaßen", aber sein Anwalt habe ihm "bestätigt, dass das Verfahren einstellungsreif sei". (Renate Graber, DER STANDARD, 13.8.2014)

  • Im Juni 2008 war die Burg nicht bespielbar, die Telekom kam quasi als Untermieterin ins Haus.
    foto: apa/hochmuth

    Im Juni 2008 war die Burg nicht bespielbar, die Telekom kam quasi als Untermieterin ins Haus.

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