Fast 40 Prozent der madagassischen Reptilien vom Aussterben bedroht

15. August 2014, 20:41
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Illegale Abholzung, Jagd und Tierhandel bedrohen zahlreiche endemische Arten - Noch ist es laut Experten aber nicht zu spät, um sie zu erhalten

San Francisco - Bedingt durch seine lange geographische Isolation beherbergt Madagaskar eine einzigartige Tierwelt mit einem sehr hohen Anteil endemischer Arten - besonders unter den Reptilien: Spezies wie etwa der Plattschwanzgecko oder das Pinocchio-Chamäleon sind nirgends sonst zu finden. Durch Abholzung, Jagd und Tierhandel sind jedoch viele dieser einzigartigen Tiere vom Aussterben bedroht.

foto: frank glaw/miguel vences
Vom Aussterben bedroht: das Pinocchio-Chamäleon (Calumma gallus).

39 Prozent auf Roter Liste

Ein internationales Forscherteam hat jetzt erstmals den Gefährdungsstatus aller madagassischen Reptilien ermittelt. Unter maßgeblicher Beteiligung des Evolutionsbiologen Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig, der seit über 20 Jahren in Madagaskar forscht, konnten sie so eine Rote Liste für die NGO International Union for Conservation of Nature (IUCN) erstellen. Das Ergebnis ist besorgniserregend: 39 Prozent der Arten sind vom Aussterben bedroht sind.

Die Abholzung des Regenwaldes zur Holzgewinnung und Landwirtschaft bedroht insbesondere die über 360 Arten von Echsen und Schlangen der tropischen Insel, einschließlich der Geckos und Chamäleons. Die Situation der madagassischen Schildkröten ist aber besonders dramatisch: Alle vier Landschildkröten sowie die wasserlebende Schienenschildkröte wurden als stark gefährdet eingestuft. Sie werden in immer größeren Mengen gefangen und über den illegalen Tierhandel meist nach Asien geschmuggelt, oder zum Verzehr in Madagaskar verkauft.

foto: frank glaw/miguel vences
Von der in Westmadagaskar beheimateten Schnabelbrustschildkröte (Astrochelys yniphora) existieren nur noch wenige Hundert Exemplare im Freiland.

Naturschutzgebiete als Ausweg

Trotz dieser beunruhigenden Zahlen sei es noch nicht zu spät, berichten die Forscher: Denn fast alle der bedrohten Arten konnten in den letzten Jahren noch im Freiland beobachtet werden. Hinzu komme ein Netzwerk von Naturschutzgebieten, das auf Madagaskar seit 2003 systematisch ausgebaut worden ist. Auch wenn die Wälder in den Gebieten nicht vollständig vor Abholzung geschützt seine, würden sie bedeutende Rückzugsgebiete für gefährdete Tiere und Pflanzen bieten.

Die Informationen aus der Studie sind für den zielgerichteten Einsatz der begrenzten Naturschutzressourcen auf Madagaskar immens wichtig. "Unsere Ergebnisse belegen die enorme Bedeutung der neuen Naturschutzgebiete", so Vences. (red, derStandard.at, 12.8.2014)

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