Machtkampf in türkischer Oppositionspartei CHP

12. August 2014, 16:05
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Kilicdaroglu für Niederlage des CHP-Kandidaten verantwortlich gemacht

Ankara - Eine Gruppe von Abgeordneten der größten türkischen Oppositionspartei CHP hat am Dienstag den Rücktritt von Parteichef Kemal Kilicdaroglu gefordert. In einer Pressekonferenz am Dienstag in Ankara machten sie ihn laut türkischen Medienberichten für die Niederlage bei den Präsidentenwahlen am Sonntag verantwortlich.

"Der Parteivorsitzende und sein Team sollten nicht weiter die Schuld bei den Wählern suchen. Sie sollten Anstand zeigen und wissen, wann die Zeit reif für ihren Rücktritt ist", erklärte Emine Ülker Tarhan. Die Abgeordnete der Republikanischen Volkspartei (Cumhuriyet Halk Partisi, CHP) hatte sich von Anfang an gegen die Nominierung von Ekmeleddin Ihsanoglu als gemeinsamen Kandidaten von CHP und MHP (Partei der Nationalen Bewegung) ausgesprochen.

Sonderparteitag

Tarhan, die von mehreren CHP-Abgeordneten bei der Pressekonferenz flankiert wurde, rief ihre Parteikollegen auf, gemeinsam auf einen Sonderparteitag hinzuarbeiten, um einen Richtungswechsel einzuleiten. "Wir rufen unsere Delegierten auf, etwas für die Zukunft unserer Partei zu tun", sagte Tarhan.

Die CHP wurde 1923 vom "Vater" der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, gegründet und ist somit die älteste aktive Partei des Landes. Zu ihren Grundprinzipien zählen unter anderem die strikte Trennung von Staat und Religion, aber auch die Bewahrung der nationalen Einheit. Nach dem Militärputsch von 1980 wurde die CHP vorübergehend verboten.

Nach dem Rücktritt von Parteichef Deniz Baykal im Mai 2010 aufgrund der Veröffentlichung eines kompromittierenden Videos im Internet übernahm Kemal Kilicdaroglu die Führung der CHP. Seither tendierte die Partei wieder weg von nationalistischen hin zu einer stärker sozialdemokratisch ausgerichteten Politik. (APA, 12.8.2014)

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