Runtastic Orbit: Das Fitnessarmband eine Woche im Test

7. September 2014, 12:26
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Was der Fitness-Tracker kann und wo er an seine Grenzen stößt

Die Vermessung des Körpers ist in. Es gehört zum guten Ton, dass man weiß wieviele Schritte man gegangen ist, welche Pulsfrequenz man dabei hatte und wann man sich in der Nacht in welcher Schlafphase befunden hat. Und damit auf Facebook und Twitter prahlt. Fitnessarmbänder, Smartphone und Apps messen und analysieren die Werte ganz automatisch. So ein Armband gibt es nun auch von Runtastic. Der WebStandard hat es eine Woche lang ausprobiert.

Das Gerät

Das Orbit ist der erste Fitnesstracker aus der oberösterreichischen App-Schmiede Runtastic, die an Hardware bislang bereits Pulsuhren, GPS-Tracker und Waagen im Repertoire hat. Der Tracker richtet sich nicht explizit und ausschließlich an Sportler, sondern ist für Personen gedacht, die ihre Aktivität im Auge behalten wollen.

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Das Orbit kann in einem Armband aus Silikon getragen werden, das einen angenehmen Tragekomfort bietet.
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Das nackte Orbit.

Auf einem kleinen Display werden Uhrzeit, Schritte, verbrannte Kalorien und aktive Minuten am Tag angezeigt. Zudem überwacht es im Schlafmodus die Schlafphasen, sodass man am nächsten Tag überprüfen kann, wie tief und lange man geschlafen hat. Wer auch die Herzfrequenz messen will, muss auf eine Pulsuhr zurückgreifen. Für Läufer unpraktisch, die dann zwei Messgeräte mit sich tragen müssen. Auch ein GPS-Empfänger ist nicht verbaut.

Viele Daten haben auf dem monochromen Mini-Display nicht Platz. So kann immer nur ein Wert angezeigt werden. Mit einer recht groß ausgefallenen Taste unter dem Display kann man sich durch diese Angaben durchklicken.

Die App(s)

Die Einrichtung des Orbit sowie die Auswertung der Daten erfolgt über die kostenlose App "Me" für iOS und Android. Dort kann man sich mit seinem Runtastic-Profil oder über Facebook einloggen und Einstellungen für den Tracker vornehmen. Etwa Angaben zu Größe, Gewicht und Geschlecht (woraus der ungefähre Kalorienverbrauch berechnet wird). Unter "Mein Tag" werden die Daten des Orbit ausgewertet. Für jeden Wert stehen ausführliche Diagramme zur Verfügung. Klickt man etwa auf "Schritte" sieht man eine Grafik, wann man wieviele Schritte zurückgelegt hat. Bei "Schlaf" gibt es eine Auswertung der Schlafeffizienz mit Angaben zu den Schlafphasen (mehr dazu später).

screenshot: derstandard.at/riegler
Die "Me"-App bereitet die vom Orbit gesammelten Daten grafisch auf.

Das Orbit funktioniert auch mit der Hauptanwendung von Runtastic, die sich an Läufer richtet. In Verbindung damit kann man beispielsweise die durchschnittliche Geschwindigkeit und die Laufdauer am Orbit anzeigen lassen. Allerdings muss der Tracker dafür in Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone stehen. Auch für die Anzeige der zurückgelegten Distanz ist ein Smartphone erforderlich. Für die (oben genannten) Grundfunktionen wird keine aktive Smartphone-Verbindung benötigt. Es reicht, App und Orbit später zu synchronisieren.

Einstellungsmöglichkeiten in der "Me"-App (links) und in der Runtastic-Haupt-App.

Mit Apps von Drittanbietern funktioniert Orbit noch nicht, das könnte sich laut Hersteller in Zukunft aber noch ändern. Entschieden ist es noch nicht. Bei anderen Sportarten ist man eingeschränkt. Derzeit eignet sich der Tracker selbst nur zum Laufen. In den Runtastic-Apps für Radfahren oder Übungen wie Kniebeugen oder Situps ist die Funktion nicht direkt integriert. Sie übergeben ihre Sessions aber zumindest an die Me-App.

"In naher Zukunft werden die Daten aller Runtastic Apps (Heartrate beispielsweise) und Infos von Runtastic Hardware-Devices (beispielsweise die Daten der Runtastic Körpergewichtswaage) ebenfalls in die Me"-App integriert", heißt es auf Anfrage.

Bei ganz anderen Sportarten (die Autorin etwa hält sich mit Indoor-Rudern fit), nutzt der Tracker ebenfalls nichts. In diesem Fall werden die Angaben zum Kalorienverbrauch obsolet. Denn ein Ruderschlag wird vielleicht zwar als Schritt erkannt, der Kalorienverbrauch ist aber ein anderer.

Tagsüber

Damit die Messung sinnvoll ist, sollte das Orbit rund um die Uhr getragen werden. Eine Herausforderung für Menschen (wie die Autorin), die niemals Armbanduhren tragen. Sich an das Band tagsüber zu gewöhnen fällt aber trotz Uhrenarmbandabneigung nicht allzu schwer. Das Orbit ist sehr leicht und das Band aus weichem Silikon passt sich gut dem Handgelenk an.

Das Design ist sportlich. Freitagnacht an der Bar oder tanzend im Club gefällt das möglicherweise nicht jedem. Und unter dem Band schwitzt man schnell. Immerhin lässt sich das Material leicht abwaschen. Mehr noch: das Orbit ist bis zu 100 Meter wasserdicht. Man kann es also beim Schwimmen, Duschen, Händewaschen (oder Posen am Pool) tragen.

Praktisch: in der dazugehörigen App kann man sich ein Ziel setzen, wieviele Schritte man erreichen will. Schafft man das, gibt es zur Belohnung einen wohlwollenden Stupser und am Display wird ein kleiner Pokal angezeigt. Wer will, kann sich nach 60 Minuten Inaktivität durch einen Vibrationsalarm erinnern lassen, sich wieder zu bewegen.

Optional als Clip tragbar

Das Orbit kann auch als Clip am Gürtel getragen oder einfach im Hosensack eingesteckt werden. Dafür muss das kleine Gerät aus dem Armand herausgenommen und in das Clipgehäuse - ebenfalls aus weichem Silikon - gesteckt werden. Der Wechsel funktioniert schnell - das Gerät schnappt gut im Gehäuse ein.

Im Lieferumfang sind ein schwarzes und ein blaues Armband sowie ein schwarzer Clip enthalten. Optional gibt es Packs mit je drei verschiedenfarbigen Ersatzbändern. Hier sollte eine Farbe nach dem persönlichen Geschmack dabei sein. Das kostet allerdings extra.

foto: derstandard.at/riegler
Von Haus aus wird das Orbit mit einem blauen und einem schwarzen Band geliefert.
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Im Lieferumfang ist auch ein Clip enthalten, mit dem das Orbit am Gürtel getragen werden kann.

Nachts

Tagsüber ein Armband zu tragen ist für Uhrbandverweigerer eine Sache. Damit aber auch noch zu schlafen, eine ganz andere. Wenn man den Schlafmodus nutzen möchte, ist das aber notwendig. Der Clip ist beim Schlafen eher nicht zu gebrauchen. Das Orbit soll die Schlafphasen messen und die Trägerin bei Bedarf Morgens durch sanftes Vibrieren am Handgelenk wecken. Bis zu drei Alarme kann man über die dazugehörige App setzen.

Laut Runtastic wurde das Band im Schlaflabor getestet und soll die Schlafphasen sehr genau messen. Die Testerin war in einigen Nächten jedenfalls öfter wach, als das Band später analysiert hat. Gemessen werden die Schlafphasen durch den Bewegungssensor. Wacht man auf, bewegt sich dabei allerdings nicht, bekommt das Band diese Schlaflosigkeit nicht mit. Zudem muss man des Schlafmodus selbst aktivieren. Vergisst man darauf, hat man laut Auswertung in der "Me"-App nicht geschlafen. Und ein böser Verdacht keimt auf: die Schlaflosigkeit könnte mit der Tatsache zu haben, etwas Ungewohntes am Handgelenk zu tragen.

Beim Testmodell handelt es sich um ein Gerät der ersten Charge, laut Hersteller soll das Messen der Schlafphasen in Zukunft verbessert werden. Auch durch Software-Upgrades. In Zukunft will Runtastic für die Analyse noch weitere Faktoren, etwa das Umgebungslicht miteinbeziehen.

Mood-Tracking

Derzeit noch etwas unmotiviert wirkt die Mood-Tracking-Funktion. Fühlt man sich gut, kann man das durch doppeltes Antippen der Taste am Orbit protokollieren. In der App erscheint dann beim entsprechenden Zeitpunkt ein Smiley. Mehr bietet diese Option derzeit noch nicht. Negative Emotionen kann man nicht festhalten.

Gedacht ist, dass in Zukunft mehrere Faktoren einbezogen werden. So soll analysiert werden wann sich Nutzer wohl fühlen - zu welcher Tageszeit und nach wieviel Minuten oder Stunden sportlicher Aktivität. Welchen Nutzen man daraus zieht, dass ein Gerät analysiert wann man sich wohl fühlt, muss jeder für sich selbst feststellen.

foto: runtastic
Im Lieferumfang ist auch ein Clip enthalten, mit dem das Orbit am Gürtel getragen werden kann.

Durchhaltevermögen

Nach Angaben von Runtastic hält der Akku des Orbit sieben Tage lang. Das konnte auch im Test bestätigt werden. Eingeschaltet zu Montagmittag ging dem Tracker ziemlich genau eine Woche später am Montag der Saft aus. Aufgeladen wird der Tracker über ein USB-Ladekabel. Leider lässt sich der Akkustatus nur über die App einsehen. Das Band warnt aber bei sehr niedrigem Ladestand.

Fazit

Das Orbit ist ein Armband für Personen, die einen sportlichen Lifestyle pflegen. Mit Betonung auf Lifestyle. Gesundheitlich relevante Daten kann man damit nicht ermitteln - zu ungenau sind die Schätzungen bzw. Messungen über Kalorienverbrauch und Schlafphasen. Und auch beim Sporteln muss man auf weitere Zubehör zurückgreifen, etwa eine Pulsuhr oder ein Smartphone mit GPS.

Der Tracker zeigte im Test aber einen positiven Effekt: man wird sich seiner Aktivität mehr bewusst. So versucht man am nächsten Tag noch etwas mehr Schritte zu gehen. Ist man im Büro vor dem Computer in seine Arbeit versunken und verfällt schon in eine ungesunde Haltung, kann man sich stündlich an etwas Bewegung erinnern lassen. Und für die Lauf-Apps von Runtastic ist das Orbit eine praktische Ergänzung, um bestimmte Werte per Knopfdruck anrufen zu können.

Das Orbit ist um 120 Euro erhältlich. Die Zusatzsets mit jeweils drei Armbändern kosten rund 30 Euro. (Birgit Riegler, derStandard.at, 24.8.2014

Hinweis im Sinn der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion für einen begrenzten Zeitraum von Runtastic zur Verfügung gestellt.

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Runtastic

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