Corpbank-Kunden warten auf Ersparnisse

12. August 2014, 14:05
5 Postings

Kunden müssen auf die gesetzlich garantierten Ersparnisse warten, bis der Bank die Lizenz entzogen wird

Sofia - Der Einlagensicherungsfonds in Bulgarien kann die gesetzlich garantierten Ersparnisse der Kunden bei der in Schieflage geratenen Corporate Commercial Bank (Corpbank) nicht auszahlen. Das stellten der Präsident der Zentralbank, Iwan Iskrow, und Interimsfinanzminister Rumen Poroschanow in einem Antwortschreiben an den EU-Generaldirektor für Binnenmarkt, Jonathan Faull, fest.

Faull hatte Anfang August gefordert, dass Bulgarien unverzüglich mit der Auszahlung der Kundeneinlagen bis zu 100.000 Euro beginnt. Dies sei allerdings erst möglich, nachdem die Nationalbank die Lizenz der zahlungsunfähigen Bank entzogen hat, heißt es in der Antwort des Zentralbankchefs und des Finanzministers. Der Einlagensicherungsfonds verfüge derzeit über umgerechnet 1,05 Mrd. Euro. Die gesetzlich garantierten Kundenguthaben allein bei der Corpbank belaufen sich jedoch auf ca. 1,8 Mrd. Euro. "Dem Garantiefonds reichen somit 800 Mio. Euro nicht", rechneten Iskrow und Poroschanow vor.

Sollte die Auszahlung der Einlagen bis zu 100.000 Euro noch während der laufenden Finanzprüfung der angeschlagenen Corpbank eingeleitet werden, sei nicht auszuschließen, dass sie den Großteil ihrer Kunden verliert und die Gesundung des Geldinstituts werde somit sinnlos. Bis zum 20. Oktober haben die Beratungsunternehmen Deloitte und Ernst&Young Zeit, um die Prüfung der Finanzlage der viertgrößten Bank in Bulgarien abzuschließen. "Abhängig vom Prüfungsergebnis werden die Aktionäre der Corpbank eingeladen, das erforderliche Kapital für die Wiederherstellung der Liquidität einzuzahlen", schreiben der Zentralbankchef und der Interims-Finanzminister.

Weitere Möglichkeiten

Darüber hinaus nennen Iskrow und Poroschanow zwei weitere Möglichkeiten, um den Einlagensicherungsfonds zu unterstützen. Zum einen könnten die Handelsbanken in Bulgarien aufgefordert werden, in Vorzahlung zu gehen und die 0,5 Prozent ihrer Einlagengrundsumme für das laufende Jahr in den Fonds einzuzahlen. Dies würde jedoch lediglich 145 Mio. Euro zusätzlich generieren und nicht reichen, um die Kundeneinlagen bis zu 100.000 Euro auszuzahlen. Ferner würde eine solche Maßnahme sowohl den Banken als auch dem Image des gesamten Bankensystems in Bulgarien schaden. "Angesichts dessen bleibt ein Darlehen aus dem Staatshaushalt die einzige Möglichkeit, die in Frage kommt", meinen Iskrow und Poroschanow. Dies setzt allerdings eine Aufstockung des Staatshaushalts für 2014 voraus, was erst ein neues Parlament nach den vorgezogenen Wahlen am 5. Oktober beschließen kann.

Die Ursachen für die Liquiditätskrise der Corpbank sind bis heute noch unklar. Sicher ist, dass die Kreditanstalt des Unternehmers Zwetan Wassilew in Schieflage geriet, nachdem Medien von einer eventuellen Pleite der Bank berichtet hatten. In der Folge kam es zum Ansturm auf die Corpbank. Die systematisch verbreiteten Berichte erschienen in den Medien des skandalträchtigen Abgeordneten Deljan Peewski und lassen einen Oligarchenstreit zwischen ihm und dem mächtigen Banker Wassilew vermuten. Über den Hintergrund des Zerwürfnisses gibt es in Bulgarien zahlreiche Spekulationen jedoch keine handfesten Beweise. Nach angeblichen gegenseitigen Morddrohungen entschied sich Zwetan Wassilew, zunächst nach Wien zu übersiedeln. (APA, 12.8.2014)

  • Kunden verzweifeln.
    foto: reuters/stoyan nenov

    Kunden verzweifeln.

Share if you care.