Nach dem Jakobsweg-Boom: Alle Wege führen nach Rom

12. August 2014, 13:12
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Der Frankenweg, ein mittelalterlicher Pilgerweg von Canterbury nach Rom, etabliert sich langsam als Alternative zum Jakobsweg. Immer mehr Menschen aus ganz Europa wandern auf der rund 2.000 Kilometer langen Strecke in die Ewige Stadt.

Der Frankenweg führt vom englischen Bischofssitz nach Frankreich und dann über die Schweiz durch das italienische Aosta-Tal und die Toskana bis zur Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus in Rom. Der Weg gehörte zu den drei großen Routen, die Christen nach Rom, Santiago de Compostela oder Jerusalem führten. Erstmals wurde der Frankenweg als Via Francigena in den Aufzeichnungen des Erzbischofs Sigerich des Ernsten von Canterbury (994) beschrieben.

Doppelt so viele Pilger

20.000 Pilger wurden im vergangenen Jahr auf der italienischen Strecke der Via Francigena gezählt, die im Aostatal beginnt und bis nach Rom sieben Regionen durchquert. In den ersten Monaten 2014 hat sich die Zahl gegenüber dem Vergleichszeitraum 2013 verdoppelt. Die am besten gerüstete Region ist die Toskana, wo religiöse Orden mehrere Schlafplätze in Herbergen anbieten.

Entlang der Via Francigena können Pilger eine Fülle von Baudenkmälern, Ruinen und Palästen bewundern. Sinnsuchende, Powerwalker und Biker absolvieren die Strecke. "Die Wanderung ist ein Weg, um nachzudenken, in Kontakt mit der Natur zu kommen und neue Menschen kennenzulernen", meint Massimo Tedeschi, Präsident des Verbands zur Förderung des Frankenwegs.

Ein Boom unter Studenten

Ein Fünftel der Pilger sind junge Menschen unter 30, vor allem Studenten und Pfadfinder. Italiener, Spanier, Franzosen und Engländer trifft man am häufigsten auf der Via Francigena. Viele haben bereits Erfahrung mit dem Jakobsweg in Nordspanien. "In den letzten Jahren erleben Pilgerwege einen Boom. Positiv war die Initiative des Europarates, der europäische Wanderwege fördert, zu der auch die Via Francigena gehört. Auch Papst Franziskus hat den Pilgerwanderungen neue Impulse gegeben", erklärt Tedeschi. Ziel seines Verbands ist es, die Via Francigena immer besser zu beschildern und sie mit günstigen Herbergen auszustatten.

Alternative für Kreuzrittter

Auf den Spuren der Kreuzritter entdeckt inzwischen auch Süditalien seine Pilgerwege neu. Nach dem Modell des Frankenwegs wollen auch die süditalienischen Regionen die Routen wieder aufwerten, die Kreuzritter und Pilger im Mittelalter beschritten, um das Heilige Land zu erreichen. "Von Rom nach Jerusalem, der Frankenweg des Südens" heißt das Projekt, mit dem die Via Appia Antica neu entdeckt werden soll, die Rom mit der apulischen Hafenstadt Brindisi verband.

Brindisi war das Tor in Richtung Orient. Hier bestiegen Pilger, Kreuzritter und Kaufleute die Schiffe, die sie nach Jerusalem brachten. Der Pilgerweg soll mit Hilfe von Privatsponsoren wiederbelebt werden. Geplant ist auch die Restaurierung der alten Via Micaelica in Apulien, wo sich das Sanktuarium zu Ehren des Erzengels Michael befindet. Es war einst eine wichtige Etappe der Pilger, die von Norditalien ins Heilige Land wollten. (red, APA, derStandard.at, 12.08.2014)

  • Jetzt führen wieder alle Wege nach Rom - auch die Via Francigena. Das Logo dieses Pilgerwegs wirkt allerdings nicht ganz so eingängig wie die Jakobsmuschel, die den Weg nach Santiago de Compostela weist.

    Jetzt führen wieder alle Wege nach Rom - auch die Via Francigena. Das Logo dieses Pilgerwegs wirkt allerdings nicht ganz so eingängig wie die Jakobsmuschel, die den Weg nach Santiago de Compostela weist.

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