OMV bricht zum Halbjahr der Gewinn weg

12. August 2014, 17:57
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Beteiligung in Norwegen soll Ausfälle in Libyen und im Jemen kompensieren

Wien - Ein schwacher US-Dollar, gesunkene Raffineriemargen, Lieferausfälle in Libyen und im Jemen sowie Abschreibungen in Kasachstan - und das alles bei einem stabilen (und nicht gestiegenen) Ölpreis und einem gesunkenen Gaspreis. Das ist der Mix, der das Ergebnis der OMV zum Halbjahr weit ins Minus gedrückt hat. Der Umsatz ist um zehn Prozent auf 19,1 Milliarden Euro gesunken, der operative Gewinn (Ebit) um 53 Prozent auf 908 Mio. Euro eingebrochen. Im zweiten Quartal fiel der Ebit-Einbruch mit 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr noch drastischer aus. Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn (CCS-Ebit) halbierte sich im Halbjahr auf 369 Millionen Euro.

Bei der Weiterverarbeitung von Öl etwa zu Treibstoffen hat der österreichische Öl- und Gaskonzern zudem die geringe Nachfrage gespürt. In Rumänien schlug die "construction tax" zu. Die OMV musste dort von Jänner bis Ende Juni 30 Mio. Euro abführen. Die seit Jahresbeginn geltende Steu- er fällt in einer Höhe von 1,5 Prozent vom Buchwert von Infrastrukturbauten an - dazu zählen auch Bohrungen, allgemeine Infrastruktur, Lagertanks und Pipelines. Im Gesamtjahr verursacht die Steuer zusätzliche Kosten von rund 60 Millionen Euro. OMV-Chef Gerhard Roiss bezeichnete diese Abgabe am Dienstag als "Strafe für Unternehmen".

Getroffen durch Libyen

Der Ausfall der Produktion in Libyen hat die OMV hart getroffen. Aus dem Land bezieht das Unternehmen rund zehn Prozent des Öls. Die Unruhen, die seit dem Sturz des Machthabers Muammar Gaddafi das Land erschüttern, bremsen auch die Ölförderung. "Der Unterschied zwischen null Beitrag von Libyen und 100 Prozent Beitrag von Libyen gemessen an einem Ölpreis von 105 Dollar ist fast 950 Mio. Euro beim Ebit", rechnet OMV-Finanzchef David Davies vor. In Libyen konnte die Produktion zuletzt zum Teil wieder aufgenommen werden. Der Konzern fördere dort etwa 8000 Barrel pro Tag, hieß es.

Kompensieren will die OMV die Lieferausfälle durch eine höhere Produktion in Norwegen. Aber das kostet, wie ein Blick in den größten Geschäftsbereich (Exploration und Produktion) zeigt, wo der Gewinn zuletzt stark geschrumpft ist. Der Grund: Die Produktion in Norwegen verursacht höhere Kosten als etwa in Libyen. Der Betrieb einer Bohrinsel im Meer ist teurer als die Produktion an Land. Die OMV hat 2013 von Statoil Ölfelder in Norwegen und Großbritannien gekauft. Um 2,65 Mrd. Dollar hat das Unternehmen von Statoil auch eine Beteiligung von 19 Prozent am schon produzierenden Ölfeld Gullfaks und 24 Prozent am Feld Gudrun erworben. Das war der bisher größte Zukauf des Unternehmens. Investieren will die OMV weiterhin im großen Stil. 1,8 Mrd. Euro wurden heuer bereits investiert.

Produktionsniveau gestiegen

Trotz aller Probleme habe man das Produktionsniveau (dank der Assets in Norwegen) steigern können, sagte Roiss. Das Management gab sich bei der Präsentation der Halbjahresbilanz zuversichtlich, eine Trendwende sei für heuer aber nicht mehr zu erwarten. "Die Planbarkeit wird aufgrund der politischen Situation immer schwieriger", fasste Roiss die Lage zusammen. (bpf, DER STANDARD, 13.8.2014)

  • Holpriges Jahr für OMV-Chef Gerhard Roiss.
    foto: apa/neubauer

    Holpriges Jahr für OMV-Chef Gerhard Roiss.

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