Mehr als 1.000 Ebola-Tote in Westafrika

12. August 2014, 06:22
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Insgesamt 1.848 Ebola-Fälle - Liberia erhält experimentelle Arznei ZMapp aus USA

Freetown/Conakry/Lagos - Die Zahl der gemeldeten Todesfälle der Ebola-Epidemie in Westafrika ist auf mehr als 1.000 gestiegen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf ihrer Internetseite am Montag mitteilte, starben bisher 1.013 Menschen. Insgesamt gebe es 1.848 Ebola-Fälle. Liberia erhält indes das experimentelle Ebola-Serum ZMapp. In Genf berieten Medizin-Ethiker über einen möglichen Einsatz einer solcher Arznei.

Das Weiße Haus und die US-Arzneimittelbehörde FDA hätten einer Bereitstellung des Serums zur Behandlung infizierter Mediziner in Liberia zugestimmt, erklärte das Präsidialamt in Monrovia in der Nacht zum Dienstag. Die Entscheidung sei nach einem entsprechenden Gesuch der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf an US-Präsident Barack Obama gefallen. Ein US-Regierungsvertreter werde die Lieferung im Laufe der Woche überbringen. Bisher gibt es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gegen Ebola.

Serum noch nicht zugelassen

Zuvor hatte bereits der Hersteller des experimentellen Serums erklärt, sämtliche Vorräte an dem Mittel würden nach Westafrika geschickt. Infolge der Anfrage "eines westafrikanischen Staates" seien die Vorräte an ZMapp erschöpft, hieß es am Montag auf der Website des Unternehmens Mapp Bio. Jegliche Entscheidung zur Anwendung des noch nicht zugelassenen Serums müsse vom ärztlichen Fachpersonal getroffen werden. Das Medikament werde kostenlos zur Verfügung gestellt.

ZMapp wurde bisher nur an Tieren getestet. Mangels Medikamenten gegen Ebola wurde es dennoch bei einem Arzt und einer Krankenschwester aus den USA angewendet, sie sich beim Umgang mit Ebola-Kranken in Liberia infiziert hatten. Auch ein in Liberia mit dem Ebola-Virus infizierter spanischer Missionar wird mit dem Medikament behandelt.

Ethiker beraten

In Genf berieten am Montag Medizin-Ethiker mit Experten der WHO über einen möglichen Einsatz von experimentellen Wirkstoffen im Epidemiegebiet. Erste Ergebnisse sollten am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. Möglich wäre nach Einschätzung von Experten, dass die WHO wegen der kaum einzudämmenden Epidemie den Einsatz solcher Mittel gutheißt, die noch in der Entwicklungsphase sind.

"Wir haben hier eine Krankheit mit hoher Sterberate, ohne dass es eine bewährte Behandlung oder Impfung gibt", hatte die Stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny vor einigen Tagen erklärt. Die Ethiker müssten einschätzen, was für Ärzte in dieser Situation verantwortbar sei.

Der Präsident von Guinea, Alpha Conde, rief unterdessen zu einer raschen Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Ebola-Virus auf. Ebola müsse zu einem "internationalen Anliegen" gemacht werden, bis ein Impfstoff bereit stehe, sage Conde am Montag in Conakry. Gleichzeitig seien zusätzliche Investitionen in das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser der betroffenen Länder notwendig.

Die WHO hatte die Ebola-Epidemie am Freitag als Internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Damit kann die Organisation nun zu außerordentlichen Maßnahmen greifen, um die Epidemie einzudämmen. (APA, 12.8.2014)

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