USA setzen Angriffe auf IS fort

12. August 2014, 18:31
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Irakischer Hubschrauber abgestürzt

Bagdad - Die USA setzen ihre Luftangriffe gegen islamistische Milizen im Nordirak fort. Am Dienstag habe eine Kampfdrohne eine Granatwerferstellung der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) nahe dem Sinjar-Gebirge angegriffen, aus der kurdische Truppen beschossen worden seien. Die Militärs in Tampa (Florida) sprachen von einer erfolgreichen Operation, die IS-Stellung sei zerstört worden.

Im Sinjar-Gebirge haben Zehntausende Angehörige verfolgter Minderheiten Zuflucht gefunden. Die USA fliegen seit Freitag Luftangriffe gegen die IS-Milizen.

Irakischer Militärhubschrauber abgestürzt

Ein Hubschrauber der irakischen Armee ist lokalen Medienberichten zufolge bei einem Hilfseinsatz im Nordirak abgestürzt. Der Pilot kam ums Leben. 20 weitere Insassen, unter ihnen eine jesidische Abgeordnete des irakischen Parlaments, seien verletzt worden, berichtete am Dienstag das kurdische Nachrichtenportal Rudaw.

Die Maschine vom Typ MI-17 habe Hilfsgüter für Flüchtlinge im Sinjar-Gebirge an Bord gehabt. Unglücksursache sei ein "technischer Defekt".

Tausende flüchten nach Syrien

Etwa tausend Familien sind vor der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) aus dem Nordirak ins benachbarte Bürgerkriegsland Syrien geflohen.

Bei den Familien handle es sich um Menschen, die vor den radikalsunnitischen IS-Milizen zunächst ins Sinjar-Gebirge geflohen waren, und nun in der syrischen Provinz Hassaka Zuflucht gefunden hätten, berichtete am Dienstag die syrische Nachrichtenagentur SANA unter Berufung auf die syrische Sozialministerin Kinda Shamat.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bezifferte die Gesamtzahl der Sinjar-Flüchtlinge in Syrien am Dienstag mit 10.000 bis 15.000. Wie SANA weiter berichtete, wurden die Flüchtlinge in einer Schule und in improvisierten Zeltdörfern untergebracht. Shamat habe bereits Unterstützung beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen angefragt.

IS-Milizen noch nicht geschwächt

Das US-Verteidigungsministerium in Washington zog nach den mehrtägigen Luftschlägen gegen die Islamisten eine eher ernüchternde Bilanz. Die IS-Miliz sei noch nicht gestoppt, wohl nicht einmal ernsthaft geschwächt. Die Luftangriffe der USA haben nach Einschätzung des Pentagons den Vormarsch der islamistischen Miliz gebremst, aber bisher nicht aufhalten können. Man habe ihr "Tempo verlangsamt", sagte Generalleutnant William Mayville. Doch die IS-Kämpfer seien "weiter darauf aus, größere Gebiete zu gewinnen".

Washington stärkt die Kurden im Nordirak mit Waffenlieferungen für den Kampf gegen die Terrormiliz. Die Lieferungen seien bereits vergangene Woche begonnen worden, sagte die Sprecherin im US-Außenamt, Marie Harf, dem US-Sender CNN.

40.000 Jesiden warten auf Hilfe

Zudem versorgte das US-Militär zum fünften Mal die Flüchtlinge im Sinjar-Gebirge mit Lebensmitteln und Wasser, wie das US-Zentralkommando in Tampa in der Nacht auf Dienstag mitteilte. In dem Gebirge fanden zehntausende Flüchtlinge verfolgter Minderheiten Zuflucht. Rund 50.000 Jesiden sind nach ihre Massenflucht wieder in Sicherheit, etwa 20.000 bis 30.000 weitere warten in der Gebirgsregion noch auf Hilfe.

Unterdessen stellte sich Obama im Machtkampf im Irak klar hinter den designierten Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi. Dessen Nominierung sei "ein hoffnungsvoller Schritt", sagte Obama am Montag. Amtsinhaber Nuri al-Maliki, der sich weigert, sein Amt abzugeben, erwähnte Obama dagegen mit keinem Wort. Er forderte alle politischen Fraktionen auf, die anstehenden Fragen friedlich zu lösen und eine rasche geeinte Regierung zu bilden, die alle Volksgruppen berücksichtige. Auch der Iran will den designierten irakischen Regierungschef Haidar al-Abadi unterstützen. "Der Iran wird die rechtmäßige Wahl des neuen Ministerpräsidenten unterstützen", zitierte die Nachrichtenagentur Fars am Dienstag den Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Ali Shamkhani.

Maliki will Macht nicht abgeben

Maliki weigert sich jedoch, die Macht abzugeben. Die Entscheidung von Präsident Fuad Masoum, Abadi mit der Regierungsbildung zu beauftragen, sei Verfassungsbruch, sagte Maliki laut der Nachrichtenseite Al-Sumeria in einer TV-Ansprache. Der einzige Kandidat für eine Regierungsbildung sei er selbst. Den USA warf er vor, bei der "Rechtsbeugung" mitzuwirken. Malaki hatte am Sonntagabend Sicherheitskräfte an wichtigen Stellen in Bagdad positionieren lassen, um seinen Machtanspruch zu untermauern.

Staatschef Masoum hatte am Montag den schiitischen Politiker Abadi gegen den Willen Malikis mit der Regierungsbildung beauftragt. Maliki und Abadi gehören derselben Partei an. Maliki möchte selbst für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt werden.

Ban Ki-moon ruft zur Zurückhaltung auf

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte den Ansatz zur Kabinettsbildung, zeigte sich aber besorgt, dass die Regierungskrise und das Vorrücken der Islamisten den Irak noch weiter in die Krise stürzen könnten. Er rief alle Seiten auf, sich zurückzuhalten und die Verfassung zu respektieren. "Das irakische Volk verdient es, in einem sicheren, blühenden und stabilen Land zu leben - einem, das alle Iraker, gleich welcher Religion und Volkszugehörigkeit, respektiert."

Der Vormarsch der IS-Miliz beschäftigt am Dienstag auch die EU-Botschafterkonferenz in Brüssel. (APA, 12.8.2014)

  • Die US-Militärs sprachen von erfolgreichen Luftschlägen gegen die Terrormilizen.
    foto: ap/hasan jamali

    Die US-Militärs sprachen von erfolgreichen Luftschlägen gegen die Terrormilizen.

  • Die Luftschläge gegen die IS-Kämpfer seien erfolgreich ausgeführt worden, sagte der US-Präsident am Montag in seinem Urlaubsort Martha's Vineyard.
    foto: epa/friedman

    Die Luftschläge gegen die IS-Kämpfer seien erfolgreich ausgeführt worden, sagte der US-Präsident am Montag in seinem Urlaubsort Martha's Vineyard.

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