Wiesberger macht sich schlagartig einen Namen

Kopf des Tages11. August 2014, 18:54
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Bernd Wiesberger etabliert sich mit einer starken Vorstellung bei der PGA-Championship in der Weltspitze

Er meint nicht die gut 95.000 Euro, die er verbucht hat. Wenn Bernd Wiesberger sagt, er habe "viel dazugewonnen", redet er von "Erfahrungen" . Von der Erfahrung, als erster Österreicher mit Siegchancen in die Schlussrunde eines der vier großen Golfturniere zu gehen. Und von jener, dann aus den absoluten Spitzenrängen und auf Platz 15 zurückzufallen. So geschehen bei der 96. PGA-Championship im Valhalla Golfclub in Louisville, Kentucky.

Der 28-jährige Wiesberger war mit einem Schlag Rückstand auf den Nordiren Rory McIlroy (25) ins Finale gezogen, mit sieben Schlägen Rückstand schloss er ab. So oder so schickt er sich an, der Golfwelt das eine oder andere Loch zu schlagen. Mag auch Markus Briers siebenter Platz bei den British Open 2007 noch als bestes Major-Resultat firmieren, so ist es doch Wiesberger, der sich schlagartig einen Namen machte. Da tut es nichts zur Sache, dass dieser Name in Louisville da und dort zum "Cheeseburger" mutierte.

Wiesberger bringt neben einer Größe von 1,88 Metern und einem Gewicht von 89 Kilogramm das Wissen um sein Können mit - ohne dass er es jedem sofort auf die Nase bindet. "Keine Utopie" sei die Teilnahme am Ryder Cup, dem traditionellen Teamduell zwischen Europa und den USA. Und "natürlich" wolle er "Majorturniere gewinnen".

Nicht im Schoß

Das Talent wurde ihm gewiss nicht in die Wiege gelegt, doch liegt der Golfsport nahe, da die Eltern in Oberwart ein Sportgeschäft und im GC Bad Tatzmannsdorf den Pro-Shop betreiben. Als Sechsjähriger dreht Bernd die erste Runde. Dass er die HAK-Matura ablegt, darauf bestanden die Eltern, er hatte nichts dagegen. "Der Beruf Profigolfer fällt einem nicht in den Schoß. Er ist mit Talent, Einsatz, aber auch Glück verbunden."

Da die Welt ja immer mehr zusammenrückt, hat Wiesberger seinen ersten Sieg auf der European Tour in, jawohl, Südkorea gefeiert. Den zweiten feierte er daheim, in Atzenbrugg. Dreimal war er Österreichs Golfer des Jahres, viermal Burgenlands Sportler des Jahres. Bald sollte an Wiesberger auch bei der Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres kein Weg mehr vorbeiführen. Punkto Verdienst macht ihm, der bei mehr als drei Millionen Euro Karrierepreisgeld hält und von Sponsoren wie Raiffeisen unterstützt wird, ohnedies kaum einer etwas vor. "Ich strebe nicht danach, nur finanziellen Nutzen aus den Dingen zu ziehen, die ich mache." Diese Einstellung, die er sich leisten kann, hatte er immer schon. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 12.8.2014)

  • Bernd Wiesberger steigt auf.
    foto: reuters/snyder

    Bernd Wiesberger steigt auf.

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