Ebola-Virus: Westliches Desinteresse

Kommentar11. August 2014, 17:10
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Ärzte ohne Grenzen forderte schon vor Wochen eine "angemessene internationale Reaktion" ein

Der Weltgesundheitsorganisation WHO ist diesmal kein Vorwurf zu machen: Die Ebola-Epidemie in Westafrika als "internationalen Gesundheitsnotfall" auszurufen, macht - im Gegensatz zu dem Theater um die Schweinegrippe - durchaus Sinn. Denn diese Einstufung erlaubt die Verhängung ganz bestimmter Vorsorgemaßnahmen, zudem handelt es sich um die größte Ebola-Epidemie seit der Entdeckung des Virus - im Jahr 1976.

Das ist der eigentliche Skandal: Seit beinahe vier Jahrzehnten weiß man um den Krankheitserreger - warum gibt es noch immer keine wirksame Behandlung, keine ausgetesteten Medikamente? Vergeblich forderte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schon vor Wochen eine "angemessene internationale Reaktion" ein; weitgehend vergeblich kämpft dieselbe NGO seit Jahren für die Erforschung vernachlässigter Krankheiten: Westliche Pharmakonzerne forschen erst, wenn kaufkräftige Absatzmärkte winken. Die weltweiten Anstrengungen zur Bekämpfung von Aids liefen erst an, als es sich zu einer "westlichen" Seuche auswuchs. Die teuren Medikamente waren dann aber prompt nicht in jenen afrikanischen Ländern zu bekommen, wo Aids als Volkskrankheit grassiert.

Bei Ebola verhält es sich genauso: Kaum wird ruchbar, dass sich das Virus auch in Europa und den USA ausbreiten könnte, tauchen bis dato unbekannte Behandlungsmöglichkeiten auf - Zufälle sehen anders aus. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 12.8.2014)

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