Buwog-Geld: "Bar aus, bar ein" - und mit Aktien versenkt

11. August 2014, 17:02
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Meischberger will Buwog-Provision angelegt haben - Schroffer Abschied von den Liechtenstein-Bankern

Wien - Der Verbleib der Buwog-Provision (9,6 Mio. Euro) wird die Justiz in der gleichnamigen Causa noch länger beschäftigen. Die Ermittler nehmen an, dass die 80 Prozent, die via Zypern und USA auf den liechtensteinischen Konten Karin, Natalie und 15444 landeten, auch Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser und Makler Ernst Karl Plech zugutekamen - selbige bestreiten das. Und Lobbyist und Grasser-Trauzeuge Walter Meischberger sagt seit jeher aus, das Geld sei das Seine. 20 Prozent gingen bekanntermaßen an Peter Hochegger, ebenfalls Lobbyist.

In seinen Einvernahmen wurde Meischberger intensiv zu den Geldflüssen befragt - auch darüber, was damit geschah. Nach Österreich kam das Geld großteils in bar; "einen Teil wollte ich für meinen Hausbau" ausgeben, sagte Meischberger aus. Neben einer Wohnung in Ibiza und einem halben Boot (die andere Hälfte soll, wie berichtet, Makler Plech gehören) investierte der ehemalige FPÖ-Politiker auch in Wertpapiere. Mit mäßiger Fortüne, wie sich aus seinen Einvernahmen ergibt.

Aktien gekauft

Aktien habe er ab der ersten Überweisung der Buwog-Provision, also ab 2006, gekauft - gemanagt habe das seine Bank in Vaduz, die Hypo Investmentbank Liechtenstein (HIB). Auf der Einkaufsliste standen Papiere von OMV, Magna, C Quadrat, Meinl International Power (MIP). Diese Auswahl ließ die Ermittler aufhorchen. Bei C Quadrat war Grasser immerhin Aufsichtsratschef (Juni 2007 bis Oktober 2010), bei Magna Europe bis 2000 Manager gewesen. In der MIP-Managementgesellschaft war der Exminister im Direktorium gesessen; zudem war er an der MIP beteiligt.

Doch ein Schelm, der Böses dabei denkt. Aus der Einvernahme Meischbergers ergibt sich, dass ihm Grasser quasi als Leitfigur bei seinen Wertpapierentscheidungen diente. Er selbst sei in Sachen Aktien "kein großer Fachmann gewesen", räumte Meischberger nämlich ein. Also habe er sich bei den Aktienkäufen "immer auf das verlassen, wo Grasser in der Nähe war". Und die übrigen Papiere habe er auf Basis der Empfehlungen seines Bankers in Vaduz erworben. Wobei: "Ich habe fast überall Verluste gemacht, die größten ... bei C Quadrat." Manchmal habe er auch Aktien verkauft, sein Kriterium dafür sei "das Gefühl gewesen, im Moment das Beste zu tun. C Quadrat war im freien Fall, ich wollte durch den Verkauf den Verlust eindämmen".

Vermögen umgeparkt

Zum Zeitpunkt dieser Erörterungen, im Herbst 2009, als die Causa Buwog erst in der Öffentlichkeit aufgepoppt war, hatte Meischberger noch Vermögen, das er versilbern konnte. Er schätzte, dass "ich Aktien im Wert von ca. einer Million Euro besitze", zudem lägen rund 1,5 Mio. Euro festverzinst in Liechtenstein. Geld, das ja wenig später eingefroren werden sollte.

Ein halbes Jahr zuvor, im Mai 2009, hatte Meischberger seine Konten innerhalb Liechtensteins verschoben - von der HIB auf die Liechtensteinische Landesbank. Schriftlich gab er damals der HIB den Auftrag, "meine Portfolios Natalie und Nati zu schließen" und den Inhalt auf seine Konten bei der Landesbank zu überweisen. Schluss gemacht hat er mit seinen HIB-Bankern mit einem knappen Satz: "Von einer Kontaktaufnahme mit mir bitte ich Abstand zu nehmen."

Dabei war deren Dienstbeflissenheit in den Jahren davor recht hoch gewesen. Sie hatten ja die Bargeldtransporte ab 2006 nach Wien übernommen, ob ins Hotel am Stephansplatz oder zum Nobelitaliener nebenan. Nur ein Beispiel aus so einem "Besuchsbericht" von Oktober 2006: "Euro 50.000 Euro bar aus Natalie, bar ein auf 400815. Euro 30.000 überwiesen auf sein Konto in Spanien. Euro 130.000 bar aus und auf Sparbuch bei der Hypo Wien." Auch die Bestellung fürs nächste Mal wurde vermerkt: "Euro 30.000 bar aus beim nächsten Besuch." (Renate Graber, DER STANDARD, 12.8.2014)

  • Kaufte Aktien aus Grasser-Nähe: Walter Meischberger.
    foto: ap/zak

    Kaufte Aktien aus Grasser-Nähe: Walter Meischberger.

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