Der steirische Landeshauptmann Voves ist seit längerem grantig

Blog12. August 2014, 05:30
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Franz Voves lässt seine Parteikollegen in der Steiermark recht ratlos zurück

Es ist ruhig geworden um Franz Voves. In den vergangenen Jahren hatte sich der steirische Landeshauptmann in regelmäßigen Abständen eruptiv zur Bundespolitik geäußert und dabei auch stets seiner Partei, der SPÖ, die Leviten gelesen. Eine linkere Politik solle sie machen und endlich eine Reichensteuer durchsetzen. Er war recht stolz auf die Beschimpfung "Kernölsozialist“, die ihm aus Wien entgegenhallte. Ein bisschen wurde er schon als stille Kanzlerreserve gehandelt.

Doch seit er mit der ÖVP in einer "Reformpartnerschaft“ sitzt, hat Voves um etliche Gänge zurückgeschaltet. Nicht ganz freiwillig. Die Probleme im Land wachsen ihm langsam über den Kopf.

Das Land grollt

Im Frühjahr wählen die Gemeinden und im Herbst 2015 muss er sich der Landtagswahl stellen - und mit ihm sein ÖVP-Koalitionspartner Hermann Schützenhöfer. Blumensträuße dürften ihnen in beiden Wahlgängen nicht gerade zufliegen. Ihre Reformpolitik war zwar gut gemeint und wichtig, aber nur mittelmäßig kommuniziert und umgesetzt. Das Land grollt.

Bürgermeister beider Parteien drohen, eine eigene Partei zu gründen, sie empfinden, die Gemeindefusionen seien diktatorisch durchgesetzt worden, vom "Drüberfahren“ ist die Rede. Und das schmeckt den g‘standenen Steirern so ziemlich gar nicht. Die Sparpolitik bei den sozial Schwachen ist auch nicht gerade gut angekommen. Es sind handwerkliche Fehler passiert.

Voves und Schützenhöfer spüren, dass da einiges schiefgegangen ist. Der Landeshauptmann ist seit längerem grantig und unzugänglich. Selbst sein enges Umfeld weiß nicht mehr, wie er tickt. Niemand hat eine Ahnung, ob er nun im Herbst geht oder nicht. Die Partei ist ratlos.

Minenfeld Landespolitik

In der momentanen konfusen politischen Situation bringen sich potenzielle Nachfolger in Stellung. In der ÖVP gilt als ziemlich sicher, dass Schützenhöfers Schützling und Kronprinz, Landesrat Christopher Drexler, im Herbst vorerst einmal die steirische ÖVP übernehmen wird. Womöglich wird er auch gleich als Nachfolger Schützenhöfers nominiert.

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl zögert nach wie vor. Ihm wird zwar am ehesten zugetraut, die ÖVP wieder zur Nummer eins in der Steiermark zu machen, aber er ist noch unschlüssig, ob er ins Minenfeld der Landespolitik wechseln soll.

Ratlosigkeit in Nachfolgerfrage

In der SPÖ herrscht in der Nachfolgefrage völlige Ratlosigkeit. Einer, der jederzeit bereit wäre, Voves zu beerben, ist der um ein Jahr ältere Soziallandesrat Siegfried Schrittwieder: ein Parteisoldat der alten Schule mit Basis-Erdung. Im Gespräch ist auch Verteidigungsminister Gerald Klug. Aber den wird die Gewerkschaft, aus der er kommt und bei der er nicht gut angeschrieben ist, zu verhindern wissen. Aus dem Kreis der Gewerkschafter könnten der Baugewerkschafter Beppo Muchitsch und der steirische ÖGB-Chef Horst Schachner in den Kandidatenkreis dazustoßen.

Noch schweigen Voves und Schützenhöfer über ihre Pläne beharrlich. Es heißt nur, sie wollen gemeinsam abtreten.

Obwohl SPÖ und ÖVP in der Steiermark über eine Dreiviertelmehrheit - 75,45 Prozent der Wählerstimmen - verfügen, steuert das Bundesland auf unruhige Zeiten zu. (Walter Müller, derStandard.at, 12.8.2014)

  • Der steirische Landeshauptmann Franz Voves auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010 beim Wahlkampfauftakt zu den letzten Landtagswahlen.
    foto: apa/ hans klaus techt

    Der steirische Landeshauptmann Franz Voves auf einem Archivbild aus dem Jahr 2010 beim Wahlkampfauftakt zu den letzten Landtagswahlen.

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