Wie Apple von Picasso lernt

11. August 2014, 09:01
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Und warum Google als Negativbeispiel dient - Bericht gibt Einblick in die geheimnisvolle Apple University

Viele Unternehmen pflegen ihre internen Weiterbildungsprogramme, doch nur wenige geben sich dabei so geheimnisvoll wie Apple. Denn auch in dieser Hinsicht hat das Unternehmen seine Mitarbeiter auf strikte Geheimhaltung eingeschworen. Der "New York Times" ist es trotzdem gelungen, drei Apple-Angestellte zum Plaudern zu bringen. Und diese offenbaren durchaus interessante Details zur Apple University.

Anleihen bei Picasso

So berichten sie von einem Kurs, in dem Apples Philosophie mithilfe von Picassos Bilderserie “Der Stier” erklärt wird. Über elf Lithografien hinweg hatte Picasso die Darstellung eines Stiers immer weiter reduziert. Auf der letzten wird dieser nur mehr durch wenige Striche umrissen, und doch ist noch klar erkennbar, dass damit ein Stier gemeint ist. Genau dieser Drang zur immer weiteren Vereinfachung durchdringe Apple in allen Bereichen - vom Produktdesign bis zum Branding, so der ehemalige Pixar-Mitarbeiter und Vortragende auf der Apple University Randy Nelson.

Seitenhiebe auf Google

In einem weiteren Kurs unterstreicht Nelson laut den anonym bleiben wollenden Apple-Mitarbeitern den Unterschied zwischen der Herangehensweise des iPhone-Herstellers im Vergleich zu anderen Unternehmen an einem sehr konkreten Beispiel: Während die Fernbedienung für GoogleTV nicht weniger als 78 Knöpfe aufweise, komme jene von Apple mit gerade einmal dreien aus. Das Problem bei der Google-Lösung sein, dass hier augenscheinlich jeder Entwickler und Designer bekommen habe, was er wollte, anstatt gemeinsam eine optimale Lösung zu finden.

Hintergrund

Die Apple University besteht seit dem Jahr 2008, Steve Jobs hatte damals Joel Podolny, Dekan der Yale School of Management, mit diesem Unterfangen beauftragt. Bis heute leitet Podolny das Bildungsprogramm. Eine Verpflichtung zur Teilnahme gibt es angeblich nicht, trotzdem sollen die Kurse immer bestens besucht sein.

Einführung

Die Vorträge werden auch dazu genutzt, um neue Mitarbeiter - gerade nach Übernahmen - in die Apple-Welt einzuführen, so die "New York Times". Dabei wird dann in Kursen erklärt, wie Apple intern funktioniert, aber auch erläutert, wie man so manche wichtige Geschäftsentscheidung in der eigenen Geschichte getroffen hat.

Indoktrinierung oder Weiterbildung?

Genau diese Kategorie von Vorträgen ist es übrigens, die immer wieder zu Kritik an solchen internen Programmen führt, und zwar nicht nur an jenem von Apple. So sehen viel darin mehr ein Indoktrinierungsprogramm denn ein wirkliches Weiterbildungssystem. In der Realität dürfte die Grenze hier wohl fließend sein - und subjektiv sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. (red, derStandard.at, 11.8.2014)

  • Pablo Picasso - eine Inspiration für Apple.
    foto: göbel / dpa / apa

    Pablo Picasso - eine Inspiration für Apple.

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