Rapid steckt in der Punktekrise

10. August 2014, 18:21
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Das Spiel zwischen Rapid und Sturm Graz ist überhaupt nicht unoriginell verlaufen. Denn Robert Beric, zunächst Torschütze für seinen neuen Arbeitgeber, wurde ausgeschlossen und hat seinem Ex-Klub ein 1:1 geschenkt

Wien - Robert Beric sagte immer wieder "stupid" und "sorry". Er beantwortete die unangenehmen Fragen auf Englisch, da Slowenisch in der österreichischen Fußballbundesliga nicht gerade zu den Amtssprachen zählt. Blass war der 23-Jährige, ihm fehlte die Kraft, sich selbst zu geißeln. "Sorry." Vor ein paar Wochen war er von Sturm Graz zu Rapid gewechselt. Der Samstag hätte ein besonderer Tag für ihn werden sollen. Es wurde einer. In der 49. Minute die Führung geköpfelt, in der 76. ausgeschlossen. Er hatte seinen ehemaligen Kollegen Anel Hadzic niedergestoßen oder auch nur weggeschubst, jedenfalls ist der theatralisch gefallen. Direkt vor und fast auf Schiedsrichter Manuel Schüttengruber.

"So kenne ich den Robert gar nicht", sagte sein ehemaliger Trainer Darko Milanic. Wobei er ihm indirekt dankte, denn Sturm, bis zu diesem Zeitpunkt hoffnungslos unterlegen, schaffte durch Marco Djuricin noch den Ausgleich. Thanos Petsos hatte haarsträubend gepatzt. Milanic: "Robert hat uns wieder Energie gegeben, die eigentlich schon weg war." Djuricin wunderte sich ein bisserl über Beric. "Ich habe ihn gefragt, Robert, was ist los? Er wusste es nicht." Der Fragesteller beruhigte jene, die nun Zweifel am Gemütszustand hegen. "Er ist ein guter, wohlerzogener Junge, das passiert ihm nie wieder." Sturm hatte mit Daniel Offenbacher vorgelegt, der binnen zwei Minuten zweimal gelb, also einmal rot, sah (31.). Milanic: "Auch dumm."

Wenn die Tabelle lügt

Rapid hat die Punktekrise. Fünf Zähler aus vier Partien sind wirklich nur zwei mehr als die Austria. Dass diese mickrige Zahl zum dritten Tabellenplatz reicht, ist eine Laune der Liga. Spielerisch hinterlässt die Mannschaft keinen schlechten Eindruck, es hapert in erster Linie am Verwerten der Chancen. Milanic warf nach der Partie einen öffentlichen Blick auf die Statistik, er staunte. "Eigentlich ein Wunder, dass wir nicht verloren haben."

Die schnöden Zahlen aus Sicht von Rapid: Torschüsse 23:7, Ballbesitz 65 Prozent, Zweikampfquote 60 Prozent, Ecken 3:0, Flanken 12:1. Steffen Hofmann war fix und zusätzlich fertig, er fasst das Ergebnis nicht. "Wir müssen weiterarbeiten, irgendwann werden wir die Bälle reinkriegen." Dass der im September 34-Jährige zuletzt starke Leistungen hingelegt und an alte Zeiten erinnert hat, "ist so etwas von egal, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Außerdem rede ich nicht gerne über mich."

Trainer Zoran Barisic gratulierte seinem Kapitän zur "Charakterstärke". Unmittelbar vor der Roten für Beric wurde Hofmann vom Grazer Marko Stankovic mit dem Kopf attackiert, er verharrte aber in der Senkrechten. Sekunden später wurde Hadzic waagrecht.

Die Grazer empfanden es übrigens nicht als Nachteil, im Happel-Stadion gespielt zu haben. Djuricin: "Es war schwierig genug, speziell in der Schlussphase wäre es im Hanappi ärger zugegangen." Rapid hat durch den Ortswechsel nicht an Zuschauern zugelegt, man liegt im Schnitt der alten Heimstätte. Gegen Sturm kamen 16.800 Fans, im weiten Oval reichte das bei weitem nicht zu einem Hexenkessel. Barisic bejammerte die verlorenen Punkte, er sagte aber auch: "Ich weiß, was diese Mannschaft leisten kann. Wir haben viele junge Spieler, die Vertrauen, Zeit, Erfahrung und Wertschätzung brauchen. All das bekommen sie von mir. Irgendwann ist das Glück auf unsere Seite."

HJK Helsinki, der Gegner im Playoff zur Europa League, unterlag übrigens in Finnland ganz ohne Pech in einem Test dem FC Barcelona mit 0:6. Lionel Messi und Neymar wirkten nicht mit. Hofmann: "Ohne Tore geht es auch gegen Helsinki nicht." (Christian Hackl, DER STANDARD, 11.8.2014)

  • Stürmer Beric wird nach dem Ausschluss von Trainer Barisic getadelt und getröstet. "Er muss seine Gefühle besser kontrollieren.

    Stürmer Beric wird nach dem Ausschluss von Trainer Barisic getadelt und getröstet. "Er muss seine Gefühle besser kontrollieren.

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