Russland-Sanktionen und Bauern: Hilferuf einer starken Lobby

Kommentar10. August 2014, 17:43
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Schadenersatz für den Wegfall eines Absatzmarktes

Nehmen wir an, Russlands Präsident Wladimir Putin hätte einen Importstopp für Maschinenteile und Elektrogüter aus der EU verhängt. Wäre dann sofort der Ruf nach Hilfszahlungen für betroffene Betriebe laut geworden? Oder fordert irgendjemand, dass die Hotellerie in Kitzbühel und Wien kompensiert werden muss, weil zahlungskräftige russische Touristen ausbleiben?

Natürlich nicht. Aber kaum droht für Österreichs Bauern der Verlust eines einträglichen Exportmarktes, schon gilt es als selbstverständlich, dass die Einbußen vom Steuerzahler - direkt oder über den Umweg via Brüssel - ausgeglichen werden müssen.

Es stimmt, Bauern sind verwundbarer als andere Unternehmer - weniger Umsatz, ärmer und meist langsamer beim Aufbau neuer Märkte. Aber Unternehmer bleiben sie, und das Risiko, dass ein profitabler Absatzmarkt wegbricht, ist Teil des Geschäftsmodells. Gerade die großen Exporteure in der Landwirtschaft sind finanziell nicht schlechter aufgestellt als andere Mittelständler.

Mit 2,4 Prozent Anteil an Österreichs Agrarexporten ist Russland kein Schlüsselmarkt. Und wie Ex-EU-Agrarkommissar Franz Fischler betont, ist der Importstopp leicht zu umgehen. Wenn es unter den betroffenen Bauern zu einzelnen Härtefällen kommt, ist Hilfe angesagt. Aber der mächtige Ruf nach Schadenersatz für den ganzen Sektor zeigt nur wieder einmal, wie effizient die Bauernlobby ist. (Eric Frey, DER STANDARD, 11.8.2014)

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