Urteil gegen Ex-Spitzel: Der tiefe Fall des rumänischen Agenten Felix 

10. August 2014, 16:50
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Proteste nach Verurteilung des Großunternehmers und Ex-Spitzels Dan Voiculescu

Bukarest - Die Verurteilung des Medienmagnaten, Politikers und Großunternehmers Dan Voiculescu in einem der wichtigsten Korruptionsverfahren im demokratischen Rumänien sorgt seit Freitag für Wirbel. Nach der Inhaftierung des Inhabers der Antena-Sender riefen dessen Journalisten zu einem Protestmarsch unter dem Namen "Spaziergang der Freiheit" für Sonntag auf.

Voiculescus Medienimperium besteht aus zwei TV-Sendern und einer Zeitung. Die beiden Antena-Sender waren während vergangener Wahlkampagnen ein wichtiges Instrument gewesen: Immer wieder wurde, sogar durch gefälschte Videoaufnahmen, versucht, dem amtierenden Präsidenten Traian Basescu zu schaden - jetzt bestehen Voiculescu und seine Anhänger darauf, dass es sich beim Prozess gegen den Großunternehmer um einen "Racheakt" Basescus handle.

Illegale Privatisierung

Voiculescu erhielt zehn Jahre Haft für die illegale Privatisierung des Instituts für Lebensmittelforschung, dessen Immobilien er über die von ihm gegründete Unternehmensgruppe Grivco um etwas mehr als 100.000 Euro erwarb.

Dabei befindet sich das Institut auf einem 3,6 Hektar großen Grundstück in einem der begehrtesten Viertel der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Der ehemalige Institutsdirektor Gheorghe Mencinicopschi, ein langjähriges Mitglied der von Voiculescu gegründeten Konservativen Partei (PC), gehört zu jenen Komplizen, die nun zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie durch Fälschungen in offiziellen Dokumenten zur massiven Unterbewertung der Immobilie beigetragen hatten. Der Gesamtschaden wird auf 60 Millionen Euro geschätzt - die Beschlagnahmung von Voiculescus Vermögen soll diesen nun teilweise ausgleichen.

Österreichische Firmen

Der fast 68-jährige Voiculescu hat vor der Wende 1989 unter dem Decknamen "Felix" unter anderem österreichische Unternehmen in Rumänien bespitzelt - dies gab er erst nach mehreren belastenden Gerichtsurteilen zu. 2009 wurde sein Vermögen auf über 1,5 Milliarden Euro geschätzt, womit er zu den drei reichsten Rumänen gehörte. Voiculescu gehört laut Medienberichten zu jenen Großunternehmern, welche vor allem in den 1990er-Jahren von den Nachfolgestrukturen des alten Regimes profitierten - als solcher scheint Voiculescu, wie 2011 über Wikileaks bekannt wurde, in einem Bericht der US-Botschaft in Bukarest auf. Dementsprechend werten Beobachter das Urteil als wichtigen Sieg gegen die unlauteren Verschränkungen zwischen Wirtschaft und Politik in Rumänien. (Laura Balomiri, DER STANDARD, 11.8.2014)

  • Dan Voiculescu erhielt zehn Jahre Haft für die illegale Privatisierung des Instituts für Lebensmittelforschung, dessen Immobilien er über die von ihm gegründete Unternehmensgruppe Grivco um etwas mehr als 100.000 Euro erwarb.
    foto: reuters / bogdan cristel

    Dan Voiculescu erhielt zehn Jahre Haft für die illegale Privatisierung des Instituts für Lebensmittelforschung, dessen Immobilien er über die von ihm gegründete Unternehmensgruppe Grivco um etwas mehr als 100.000 Euro erwarb.

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