Taxi-Schreck will Uber-Flieger sein

11. August 2014, 05:45
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An der Fahrdienst-App Uber scheiden sich die Geister – Österreich-Chef wünscht sich konstruktive Diskussion

Wien – Als Uber 2010 an den Start ging, war die Taxiwelt noch halbwegs in Ordnung. Das von Garret Kamp und Travis Kalanick in San Francisco gegründete Online-Unternehmen vermittelte über eine App schicke dunkle Limousinen mit Chauffeuren an Fahrgäste, die bereit waren, für bequeme, saubere Ledersitze und dargebotenes Mineralwasser mehr zu bezahlen als für ein „normales“ Taxi.

Mietwagenservices gab es schon davor, sie via App anzubieten ist keine atemberaubende Innovation mehr. Doch als die Plattform dazu überging, mit UberPop ihren Fahrdienst auszudehnen und Privatleute mit Auto und Zeit mit Beförderung suchenden Privatpersonen zusammenzubringen, kam heftiger Gegenwind auf. Taxifahrer in den USA und in vielen anderen Ländern, in denen das Unternehmen seither vorgeprescht ist (in bisher mehr als 40), gehen gegen die alternative Konkurrenz auf die Barrikaden.

Einige der Vorwürfe gegen den Taxi-Schreck, der, wie Vergleiche zeigen (etwa auf finanztip.de), häufig ein paar Euro günstiger ist als die konventionelle Konkurrenz: Die an sich professionelle Vermittlung von Fahrten über die App verstoße gegen das Personenbeförderungsgesetz, da weder die Fahrer einen Personenbeförderungsschein noch Uber eine Taxikonzession besitzen; die Uber-Fahrer mit ihren privaten Autos seien im Schadensfall nicht ausreichend gesichert; es sei schlecht kontrollierbar, ob der private Fahrer für seine Einkünfte ausreichend allfällige Steuern abführt.

„Andere Strategie“ in Wien

Viele Städte, in denen UberPop-Fahrer Gäste transportieren, haben den Dienst inzwischen sogar verboten. In Belgien ist digitale Mitfahrvermittlung mittlerweile ganz untersagt. Wer hier trotzdem Fahrgäste über die App aufnimmt, muss mit einer Buße von 10.000 Euro rechnen. Ein Vorgehen, das EU-Kommissarin Neelie Kroes als „schändlich“ empfindet und wettert: „Es geht hier darum, ein Taxikartell zu schützen.“

In Österreich ist der Himmel über Uber noch fast wolkenfrei. Das Unternehmen ist seit Ende März mit seiner App derzeit nur in Wien und mit seinem Premiumprodukt UberBlack aktiv. Der Limousinenservice wachse „super“, sagt Country-Manager Johannes Wesemann zum STANDARD.

Kooperiert werde hier mit diversen Mietwagenanbietern, die damit ihre Stehzeiten verringern könnten. Uber kümmert sich via App um die Vermarktung und kassiert 20 Prozent Provision dafür. Das preissensitive Publikum wird darüber aber nicht erreicht. Zwar wolle man sich diesen Bereich nicht entgehen lassen, aber UberPop sei in Österreich kein Thema, beteuert er und deutet an, mit einer anderen Strategie hier bald in den Markt zu fahren.

Wesemann, der vor Uber mit seiner Firma Emergy Unternehmen bei ihrer Expansion nach Afrika und Asien beriet, hat durchaus Verständnis dafür, dass sich in der Taxibranche arbeitende Menschen von dem neuen Angebot „zunächst in ihrem bisherigen Umfeld gefährdet sehen“. Doch viele der heute gültigen Regeln stammten aus den 1960er-Jahren, als das Internet und seine Möglichkeiten noch gänzlich unbekannt waren.

Produkte und Dienstleistungen

Den Einwand, die Gewerbeordnung diene dazu, Qualität festzulegen, will er so nicht gelten lassen. Wer heute online schlechte Produkte oder Dienstleistungen biete, werde postwendend von den Nutzern abgestraft. Viele Vorbehalte gegen Onlineservices hält er für berechtigt. Was ihn stört, ist die Art der Reaktion. „Natürlich müssen Haftungsprobleme oder Besteuerungsfragen diskutiert werden“, betont er. Aber statt Lösungen zu entwickeln, werde nur opponiert. Etwa von der Wirtschaftskammer, „die nur ihre Pfründe schützen will“.

Uber schaffe derzeit 20.000 neue Jobs im Monat, sagt Wesemann. Die Voests dieser Welt würden die Arbeitsmarktprobleme in Europa nicht lösen. Es werde dauern, bis sich "moderne Strukturen" durchsetzten. Uber habe den nötigen langen Atem dafür. (kat, DER STANDARD, 11.8.2014)

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