Wenn die Welt am Abgrund torkelt

Blog mit Video10. August 2014, 15:32
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Wohin man blickt: Kollaps- und Zusammenbruchserscheinungen

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Gaza & Israel, Syrien, Irak und die IS-Terrorarmee, Russland, Ukraine und so fort: Die Welt ist aus den Fugen. Ganze Gesellschaften packt der Wahnsinn. Und nicht nur die direkt Beteiligten werden verrückt - was wir heute immer häufiger erleben, ist die globale mediale Infektion. Gibt's einen Konflikt, dann bilden sich die Fansektoren, in sicherer Entfernung, aber paranoid und kriegsirre, als wären sie mittendrin. Wie die Ultras aus der Südkurve feuern sie ihr bevorzugtes Team an, rufen ihm zu: "Haut sie (also die anderen) nieder!"

Das frisst sich in die Sprache hinein. Neue Schimpfwörter werden erfunden. Etwa das des "Verstehers". Da wird verächtlich von "Putinverstehern" gesprochen, jetzt von den "Paliverstehern" und "Moslemverstehern" beziehungsweise - andersrum, wenn auch seltener - von den "Bibiverstehern".

Es stellt sich langsam die Frage, ob all die vielfältigen Zerfallserscheinungen nicht Teil eines größeren Bildes sind: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, ein torkelnder Westen, Welt ohne Hegemon, Desintegration in unseren Gesellschaften und an der Peripherie, Demokratiezerstörungslust auch bei uns, Kriege und Brandherde in jedem Winkel der Welt. Möglich, dass das alles nichts miteinander zu tun hat, aber möglich, dass es doch subtile Verbindungen gibt. Vielleicht schaut er einfach so aus, der Kollaps, der große Palawatsch?

Oder, anders gefragt: Wann wird es endlich wieder einmal richtig Sommer? (Robert Misik, derStandard.at, 10.8.2014)

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