Waffenruhe in Nahost hält – Neue Verhandlungen in Kairo 

11. August 2014, 13:53
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Zunächst keine Kämpfe zwischen Hamas und israelischer Armee – Feuerpause soll bis Mittwochabend gelten

Gaza/Jerusalem – Nach Beginn einer dreitägigen Feuerpause im Gazastreifen verhandeln Vertreter der radikalislamischen Hamas und Israels in Kairo wieder über eine längerfristige Vereinbarung. Die seit Mitternacht geltende Waffenruhe wurde am Montag zunächst eingehalten. In Gaza öffneten Geschäfte, die Straßen waren belebt, und Familien kehrten in ihre Wohnungen zurück. Israel hatte gedroht, keine Vertreter nach Ägypten zu schicken, wenn die Islamisten die Feuerpause brechen würden. Kurz vor deren Inkrafttreten hatte die Hamas noch eine Rakete auf die Region Tel Aviv abgefeuert.

In dem Krieg sind nach Angaben der Behörden in Gaza 1910 Palästinenser getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen 64 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben. Der jüdische Staat hatte vor einem Monat eine Offensive gestartet, um Raketenangriffe der Hamas aus dem Küstenstreifen zu stoppen und Tunnel zu zerstören, aus denen heraus Hamas-Kämpfer Israel angriffen. Die Extremisten haben seitdem tausende Geschoße vor allem auf Südisrael abgefeuert.

Letzte Chance auf Vereinbarung

Der israelische Geheimdienstminister Juval Steinitz sagte in einem Rundfunkinterview, er hoffe auf eine diplomatische Lösung. Andernfalls müsse die Armee früher oder später wieder die Kontrolle über den Küstenstreifen übernehmen und das Gebiet entmilitarisieren. Ein Hamas-Sprecher sagte, die indirekten Verhandlungen in Kairo seien die letzte Chance für eine Vereinbarung.

Die im Gazastreifen herrschende Organisation fordert eine Aufhebung der israelisch-ägyptischen Blockade und die Eröffnung eines Seehafens. Israel will darüber nur im Rahmen einer langfristigen Friedensvereinbarung mit den Palästinensern sprechen. Zudem fordert die Regierung in Jerusalem, dass Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen nicht dafür genutzt werden darf, wieder Stollen unter der Grenze zu bauen.

Eine türkische Hilfsorganisation kündigte unterdessen an, trotz der Seeblockade des Gazastreifens wieder Schiffe in das Gebiet zu schicken. Bei einer ähnlichen Aktion hatten israelische Eliteeinheiten vor vier Jahren mehrere Schiffe gestürmt. Zehn Menschen wurden dabei getötet. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind seitdem zerrüttet.

Große Differenzen

Auch bei den neuen Gesprächen in Kairo scheinen die grundsätzlichen Differenzen unüberwindbar: Israel sieht die Hamas als Terrororganisation. Die Islamisten wiederum haben sich die Zerstörung des jüdischen Staates als Ziel gesetzt. Allerdings gibt es zumindest Hoffnung auf eine längere Waffenruhe, weil die Kämpfe in den vergangenen drei Tagen weniger intensiv waren als zu Beginn des Krieges.

Rettungskräfte berichteten, am Sonntag seien neun Palästinenser getötet worden. Bei einem Luftangriff wurde zudem das Haus des Bürgermeisters von Gaza, Nesar Hidschasi, zerstört. Tote gab es nicht, weil die israelische Luftwaffe die Bewohner des Gebäudes und angrenzender Häuser gewarnt hatte. Die israelische Armee nahm unterdessen nach eigenen Angaben weitere Extremisten ins Visier, die Raketen abschossen oder dies planten. (Reuters, 11.8.2014)

  • Rauch über Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Luftwaffe. Die israelische Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen am Samstag fortgesetzt.
    foto: apa/epa/mohammed saber

    Rauch über Gaza nach einem Luftschlag der israelischen Luftwaffe. Die israelische Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen am Samstag fortgesetzt.

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