Doku "Vom Strampler zu den Strapsen" auf 3sat: Digitale und analoge Gefahren

8. August 2014, 18:06
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Es war eine traurige Geschichte, die am Donnerstag auf 3sat über das Dasein von Präadoleszenten erzählt wurde

Von der Latzhose direkt in Hotpants und bauchfreie T-Shirts - vorzugsweise mit Sprüchen wie "Zukünftiger Pornostar" darauf. In der Doku "Vom Strampler zu den Strapsen" wurde diesem Katzensprung nachgegangen. Es war eine traurige Geschichte, die am Donnerstag auf 3sat über das Dasein von Präadoleszenten erzählt wurde: Ein Mädchen, das ihrem Freund Nackt-Selfies schickt, der sie an seine Clique weiterleitet. Berichte von Jugendlichen, die sich an die "Schlampe" -Beschimpfungen schon gewöhnt haben, und Buben, die von "Pornografie aus dem Internet überschwemmt" werden.

Noch trauriger war aber die Suche der Doku nach den Schuldigen an dem Schlamassel. Die Popkultur war's! Und natürlich das Internet. Simple Antworten, die sich wie auch zahlreiche Beweisbilder aus "der Popkultur" schwer auf ein paar durchaus spannende Erklärungsversuche von Psychologen oder Soziologinnen legten: "Was bedeutet das Gebot der Selbstdarstellung für Jugendliche heute?"

Aber rasch wieder zu Miley Cyrus, die hat es den Teenies ja vorgemacht: Direkt vom Kinderstar zur Zungenakrobatin. Sehr schlicht auch der Rat einer Erziehungswissenschafterin, die dem Problem Internetpornografie mit "Rationalisierung" beikommen möchte. Man müsse erklären, wie das mit der Standfestigkeit in Pornos ist: Die männlichen Darsteller werden schlicht ausgetauscht! Deswegen werden sich die Burschen wohl kaum abwenden und 3sat einschalten. Falls doch, wären sie beim Wissenschaftsmagazin Scobel direkt bei den analogen Risiken von Sex gelandet: Dort ging es nach der Doku gleich mit Großaufnahmen von Tripper, Syphilis und Chlamydien weiter. (Beate Hausbichler, DER STANDARD, 9.8.2014)

  • Artikelbild
    foto: zdf/john collins
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