Steuermodell: Wie sich Grasser nasse Füße holte

8. August 2014, 17:52
262 Postings

Grassers Gesellschaftskonstruktion beschäftigt die Justiz. 2009 verteidigte sein Steuerberater die Idee, jetzt muss er sich wehren

Wien - Spätestens am 20. Oktober wird sich die Justiz mit der Firmenkonstruktion von Karl-Heinz Grasser beschäftigen. Und zwar auf dessen Wunsch, denn: Grasser hat ja seinen Steuerberater Peter Haunold bzw. Deloitte auf Schadenersatz geklagt - er fühlt sich schlecht beraten. Den ersten Termin am Wiener Handelsgericht hat Grasser wegen seiner Capri-Lungenentzündung versäumt; also wurde auf Oktober vertagt.

Die Steuergeschichten haben Grasser und seinem Exsteuerberater ein Finanzstrafverfahren wegen Verdachts der Abgabenverkürzung (bzw. Beihilfe) eingetragen. In diesen Ermittlungen werden gerade die bei Deloitte sichergestellten Unterlagen gesichtet - derzeit ist ein EDV-Sachverständiger an der Arbeit. Grasser und Haunold bestreiten die Vorwürfe. Die hochkomplizierte Konstruktion sei der Finanzbehörde schon für 2007 offengelegt und von ihr nicht beeinsprucht worden. Haunold behauptet in der Beantwortung zu Grassers Klage, sein Exklient habe die Konstruktion "ohne mein Wissen und Zutun" verändert.

Expertise gefragt

Am 12. Mai 2009 (wenig später sollte die Causa Buwog auffliegen) hat Haunold den von ihm ersonnen Grasser-Firmenkomplex noch verteidigt: in einem Schreiben ans Wiener Finanzamt 1/23. Von selbigem zur Vorlage "diverser Dokumente und zu Erläuterungen aufgefordert" erklärte der Steuerberater zunächst den Grund für die aufwändige Struktur. Nach Grassers Ausstieg aus der Politik sei 2007 die Meinl Bank an Grasser herangetreten; er sollte "seine Expertise bei der neu zu gründenden Meinl International Power (MIP) einbringen". Grasser sollte sich dann zu einem Drittel an der MIP-Managementgesellschaft (MPM) beteiligen, ihr Chairman werden und "ausschließlich gewinnabhängig bezahlt werden".

Folgende "Zielsetzungen" habe Grasser gehabt: "eigene Altersversorgung und Vorsorge für seine Familie im Fall seines Ablebens, Abschirmung gegenüber potenziellen Risiken aus einem unternehmerischen Engagement und weitgehende Diskretion der Struktur gegenüber der österreichischen Öffentlichkeit (via Medien)".

Also wurde die liechtensteinische Waterland Stiftung gegründet, eine österreichische hätte Grassers Diskretionsbedürfnis "gefährdet" (Haunold). Zur weiteren "Risikoabsicherung" gründete Grasser die Valuecreation in Wien, "in ihr entfaltete Grasser sämtliche persönliche Aktivitäten". Auch Grassers Frau Fiona Pacifico Griffini Grasser entwickelte Aktivitäten; "von ihr hatte KHG den treuhändigen Auftrag erhalten, eine Stiftung zu errichten". KHG wiederum beauftragte damit eine Anstalt. "Zur Wahrung der Diskretion der Beteiligungsverhältnisse" folgte eine Gesellschaftskaskade, die von Silverwater (Virgin Islands) über Man Angelus (Zypern) bis zur MPM reichte. An dem Punkt wurde die Diskretion gebrochen: "um dem Partner Meinl Bank und der Öffentlichkeit präsentieren zu können, dass KHG persönlich den MPM-Drittelanteil übernommen hatte".

Stiftung wurde transparent

Allen Vorkehrungen zum Trotz will die österreichische Finanz die Einkünfte aus den Meinl-Geschäften nun Grasser persönlich zurechnen. Haunold erklärt das und seine Absetzbewegung von Grasser so: Der sei, wie sich im Buwog-Strafverfahren ergeben habe und entgegen den Vorgaben selbst für die Stiftung tätig geworden. (Damit würde die steuermilde Stiftungskonstruktion nicht mehr gelten, Anm.)

Nur ein paar Beispiele, wie der Geldfluss damals über die diversen Katarakte prasselte: Am 15. Dezember 2008 buchte die Vaduzer Centrum Bank 3,226 Mio. Euro von KHGs Konto ab und überwies es an Man Angelus. Fünf Monate später kassierte Grasser 550.000 Euro Dividende von der MPM, selbige landeten zehn Tage später in Zypern. Dasselbe geschah mit der "Interimsdividende 2009" von 333.333,33 Euro, die am 17. September 2009 bei Man Angelus geparkt wurden. (Renate Graber, DER STANDARD, 9.8.2014)

  • Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser klagte seinen Exsteuerberater.
    foto: reuters/bader

    Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser klagte seinen Exsteuerberater.

Share if you care.