Ob Reiter oder Reiterin, ist dem Pferd egal

9. August 2014, 17:58
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Forscher messen Stresspegel bei Ross und Reiter und können keinerlei geschlechtsbezogene Unterschiede verzeichnen

Wien - Dressurreiten zählt zu den wenigen Sportarten, bei denen Männer und Frauen gemischt antreten. Aber macht es für die Pferde auch keinen Unterschied, wer auf ihnen sitzt? Forscher der Universität Wien sind dieser Frage nachgegangen und berichten darüber im Fachblatt "Journal of Comparative Exercise Physiology".

Die Wissenschafter um Teamleiterin Christine Aurich und Studienerstautorin Natascha Ille untersuchten am Graf-Lehndorff-Institut der Vetmed die Reaktion von acht Pferden auf jeweils acht Reiterinnen und Reiter mit gleichem Trainingsstand. Jedes Tier wurde sowohl von einer Frau als auch von einem Mann durch einen standardisierten Springparcours geritten. Die Forscher untersuchten dann die Konzentration des Stresshormons Kortisol im Speichel sowie die Herzschlagfrequenz von Pferd und Reiter.

Die Ergebnisse

Der Kortisolspiegel der Pferde stieg während des Reitens zwar an, allerdings stets in gleicher Weise und unabhängig vom Geschlecht des Reiters. Auch bei den Reitenden waren unabhängig vom Geschlecht die Kortisolspiegel bei allen Tests in etwa gleich hoch. Auch hinsichtlich der gemessenen Herzschlagfrequenz fanden die Wissenschafter keine Unterschiede.

Mit speziellen Messgeräten, die zwischen Sattel und Pferd angebracht sind, untersuchten die Forscher zudem die Druckverhältnisse während des Reitens. Im Trab und besonders im Galopp war der Satteldruck bei Reiterinnen etwas geringer als bei Reitern. Dies lasse sich jedoch auf das geringere Körpergewicht der Reiterinnen zurückführen und nicht auf eine unterschiedliche Körperhaltung beim Reiten, so die Forscher. Insgesamt fanden sich daher auch keine vom Geschlecht abhängigen wesentlichen Unterschiede in der Einwirkung der Reitenden auf den Pferderücken.

"Aus der Sicht des Pferdes scheint es unerheblich zu sein, ob eine Frau oder ein Mann im Sattel sitzt. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass Pferde eine Vorliebe für das eine oder andere Geschlecht der Reitenden haben. Und wenn Reiter und Reiterinnen in gleichen Wettbewerben starten, haben beide auch die gleichen Chancen in der Platzierung ganz nach vorne zu kommen", fasst Aurich die Ergebnisse zusammen. (APA/red, derStandard.at, 9. 8. 2014)

  • Der Reitsport hat sich von der Männer- zur Frauendomäne entwickelt - Paradigmenwechsel für die Pferde war das keiner.
    foto: dr. juliane kuhl/vetmeduni vienna

    Der Reitsport hat sich von der Männer- zur Frauendomäne entwickelt - Paradigmenwechsel für die Pferde war das keiner.

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