US-Luftangriffe im Irak: Politik ohne Hammer

Kommentar8. August 2014, 17:40
8 Postings

Die "Obama-Doktrin" sollte das Land durch weltpolitisch schwierige Zeiten tragen

Es ist noch keine drei Monate her, dass Barack Obama vor eben ausgemusterten Kadetten der Militärakademie von West Point sagte: "Nur weil wir den größten Hammer haben, bedeutet das noch lange nicht, dass jedes Problem ein Nagel ist." Der Satz sollte die jüngste Sicherheitsstrategie des US-Präsidenten quasi auf einen Schlag klarmachen: Ja, wir müssen führen und Weltpolizist sein, weil es außer uns keiner macht. Und nein, wir dürfen nicht mehr in einen Krieg ziehen, solange nicht Kerninteressen der USA bedroht sind. Diese "Obama-Doktrin" sollte das Land durch weltpolitisch schwierige Zeiten tragen.

Heute kann man sagen, dass es keinen Mangel an Nägeln gibt und der US-Präsident mit dem Draufhauen eigentlich gar nicht mehr nachkommen dürfte. Eigentlich. Denn der ohnehin schon überaus risikoscheue Mr. Obama hat es mit Problemen zu tun, die sich insbesondere im Nahen Osten und am Hindukusch nicht mit einem Schlag aus der Welt schaffen lassen. Viele davon - den Irak und Afghanistan - hat er von seinem Vorgänger geerbt, auf alle aber hat auch er keine erfolgversprechende Antwort gefunden.

Der zentrale Ansatzpunkt für Obamas Strategie seit dem Rückzug der US-Truppen aus dem Irak 2011 und den für heuer geplanten Abzug aus Afghanistan ist die "Terrorbekämpfung mit lokalen Partnern". Sehr viel Geld statt amerikanischer Soldatenstiefel sollten die Lage zumindest unter Kontrolle halten. Genau das allerdings hat sich zumindest im Irak als Flop herausgestellt. Und zwar so sehr, dass US-Jets nun Stellungen der Milizen des Islamischen Staates bombardieren müssen und die USA wieder Gefahr laufen, in einem zerbrechenden Irak in einen dieser "dummen Konflikte" (Obama) hineingezogen zu werden.

Es spricht nichts dafür, dass sich die Situation in Afghanistan - wo 370.000 "lokale" Soldaten ausgebildet wurden, aber erst vor wenigen Tagen wieder ein US-General durch die Hand eines afghanischen Kameraden starb - anders entwickeln dürfte. Es spricht auch nichts dafür, dass der Zugang in Libyen oder Syrien Erfolg haben könnte.

Richard Haass, der Chef des Council on Foreign Relations, schrieb unlängst, dass man sich im Nahen Osten auf eine Art 30-jährigen Krieg einstellen müsse. Also darauf, dass die Probleme dort nicht gelöst, sondern verwaltet werden - und zwar so lange, bis sich alle Parteien erschöpft hätten. Obama würde das vielleicht so ausdrücken: Lasst uns doch den Hammer verstecken und Nägel sortieren. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 9.8.2014)

Share if you care.