Umfrage: Nur sechs Prozent mögen die aktuelle Zweierkoalition

8. August 2014, 17:22
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Die Mehrheit der Österreicher wünscht sich, dass beide derzeitigen Regierungsparteien auch in einer künftigen Regierung vertreten sind. Aber nur sechs Prozent wollen die aktuelle Zweierkoalition.

Linz - Mit dem Team Stronach geht es gar nicht. Die von Streit geplagte Mannschaft in der Nachfolge von Frank Stronach wollen 72 Prozent der Österreicher aus der Regierung draußenhalten. Alle anderen Parteien werden allerdings für mehr oder weniger regierungsfähig erachtet. Das ergibt eine Market-Umfrage im Auftrag des STANDARD.

Demnach wollen im Falle einer neuen Regierungsbildung (die in den letzten Wochen immer häufiger diskutiert wurde, zuletzt vom Vorarlberger SPÖ-Chef Ritsch) 61 Prozent der Wahlberechtigten die SPÖ wieder in der Regierung sehen, 53 Prozent die ÖVP und ebenfalls 53 Prozent die Grünen.

Modefarben

Diese Werte liegen allerdings deutlich unter jenen, die Market vor einem Jahr, im Wahlkampf für die Nationalratswahl, erhoben hat: Damals wollten noch 69 Prozent die SPÖ, 67 die ÖVP und 59 die Grünen regieren sehen. "Wir haben damals gesagt: Rot, Schwarz und Grün sind die Modefarben im Polit-Herbst 2013", erinnert sich Market-Institutsleiter David Pfarrhofer: "Und diese Kombination ist immer noch attraktiv - allerdings vor allem dann, wenn man einen Schuss Pink dazugibt."

Pfarrhofer analysierte die Kombinationen der Nennungen, welche Partei mit Ministern in der Bundesregierung vertreten sein sollte - und fand heraus, dass eine Regierung aus SPÖ, ÖVP, Grünen und Neos mit zehn Prozent die attraktivste Koalition darstellt. Eine rot-grün-pinke Regierung (die allerdings nach derzeitigem Mandatsstand und nach den Umfragen für Neuwahlen nicht die nötige parlamentarische Mehrheit hätte) wünschen sich neun Prozent, die rot-schwarz-grüne Kombination acht, die (nicht mehrheitsfähige) rot-grüne Koalition sieben Prozent.

Erst danach kommt die aktuelle Regierungsform aus (ausschließlich) SPÖ und ÖVP.

Weniger Gegner der FPÖ

Auffallend ist, dass die FPÖ in allen Umfragen der vergangenen Wochen als stärkste Partei aufscheint, dass aber weiterhin eine Mehrheit der Österreicher ausdrücklich sagt, dass die FPÖ nicht in der Regierung vertreten sein sollte. 46 Prozent der Wahlberechtigten sind explizit gegen eine freiheitliche Regierungsbeteiligung - aber dieser Prozentsatz ist stetig im Sinken begriffen: Während des Wahlkampfs waren noch 55 Prozent gegen blaue Minister, während der Regierungsbildungsphase im Oktober 2013 waren es noch 52 und in der jüngsten Befragungswelle im Juli eben 46.

Die Befürwortung einer FPÖ-Regierungsbeteiligung stieg umgekehrt von 30 Prozent im August des Vorjahres über 37 Prozent im Herbst auf nunmehr 41 Prozent. Und: Wer die FPÖ regieren sehen will, nennt meist auch die SPÖ, die mit der FPÖ nicht will. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 9.8.2014)

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