Madrid: Ebola-Infizierter offiziell "stabil und ohne äußere Blutungen“

8. August 2014, 16:35
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Im Madrider Spital Carlos III. wird nur noch ein Patient behandelt: der mit Ebola infizierte spanische Priester Miguel Pajares. Seine Begleiter stehen unter Beobachtung in Quarantäne. Pajares hatte sich in Liberias Hauptstadt Monrovia bei der Pflege anderer Patienten angesteckt

Die Fotos seiner Ankunft in einer sargähnlichen Quarantäne-Box am Madrider Luftwaffenstützpunkt in Torrejón de Ardoz gingen um die Welt: Der mit Ebola infizierte Priester Miguel Pajares (75) ist zurück in seiner spanischen Heimat. Gemäß offizieller Angaben sei er in "stabilem Zustand“. Er weise keine äußeren Blutungen – typisches Symptom der Erkrankung im Endstadium – auf.

Donnerstagmorgen war Pajares mit einem Begleiter und der Ordensschwester Juliana Bonoha Bohé (Äquatorialguinea, mit spanischem Pass) von Monrovia (Liberia) in einem für derartige medizinische Sonderfälle ausgestatteten Spezialairbus 310 der Luftwaffe repatriiert worden. Der Geistliche arbeitete im Ordensspital Saint Joseph der Barmherzigen Brüder in der Hauptstadt von Liberia, einem der Brennpunkte der aktuellen Ebola-Epidemie.

Bei Pflege angesteckt

Aberhunderte fielen dem Virus bereits zum Opfer. Die Regierung hat längst den Ausnahmezustand verhängt. Bei der Pflege des in der Vorwoche verstorbenen Spitaldirektors, des Kameruners Patrick Nshamdze, hatte sich Pajares selbst mit Ebola angesteckt.

In Iglesuela bei Toledo geboren, widmete Pajares sich und 54 Jahre seines Lebens den Kranken im Subsahara-Afrika. Bis 2007 in Ghana, dann in Liberia – einem der ärmsten Staaten, seit mehr als einem Jahrzehnt in Bürgerkriegswirren versunken. Kollegen vor Ort beschreiben Pajares, seinem Alter und allem Erlebten zum Trotz, als "mitfühlenden und fröhlichen Menschen“. Im September dieses Jahres plante er nach Spanien zurückzukehren.

Unter Quarantäne

Im Krankenhaus Carlos III. ist Parajes, der auch an einer Herzkrankheit leidet, nun unter Quarantäne – wie seine Begleiter, die angeblich beide noch keine Symptome aufweisen. Der gesamte sechste Stock des Spitals wurde abgeriegelt. Alle weiteren stationär behandelten Patienten brachte man in andere Spitäler Madrids.

Ebenjenes Krankenhaus war laut dem Mediziner-Gewerkschafter (SATSE) José Manuel Freire "die logischste Wahl“: Verfügt man dort doch über ein geschlossenes Unterdruckluftsystem, Desinfektionsduschen und alles an Sicherheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Umgang mit dem hochansteckenden Virus vorschreibt. Die ersten zwei Wochen seien laut der behandelnden Ärzte kritisch. Wer diese überlebt, hätte Chancen. Immerhin bilde sich im Körper des Kranken eine Art Teilimmunität heraus.

Ambivalente Reaktionen

Spitalsbelegschaft und Anwohner sind beunruhigt. Pajares Rücküberstellung wurde bei Experten und der Bevölkerung ambivalent aufgenommen. Zehntausende forderten via Online-Petition auf change.org seine Heimholung – allen Unkenrufe zum Trotz, dass man ihn nur deshalb nach Spanien geholt habe, weil er Priester sei. Und dass man Pajares ebenso erkrankte Kollegen im Spital in Monrovia, nur weil sie keinen spanischen Pass besäßen, ihrem Schicksal überließe. Wieder andere warnten, dass es Risikovermehrung sei, mit dem in den meisten Fällen tödlichen Virus Infizierte nach Hause zu holen. Unbestritten ist, dass zwischen den Behandlungsmöglichkeiten in Monrovia und Madrid Welten liegen. Hier besteht eine Chance. Dort herrscht Hoffnungslosigkeit.

Die Kosten der Repatriierung werde nicht die Staatskasse, sondern Pajares' Reiseversicherung bezahlen, berichtet El País – in Summe rund 80.000 Euro. Auf Twitter nahmen User die konservative Gesundheitsministerin Ana Mato in die Mangel: Als Verantwortliche hat sie sich noch nicht öffentlich zum Ebola-Fall geäußert. Mato wäre "aber bei allen Sitzungen anwesend gewesen“, betont man im Ministerium. (Jan Marot aus Granada, derStandard.at, 8.8.2014)

  • Der Priester bei seiner Ankunft auf einem Militärflughafen bei Madrid.
    foto: ap photo/spanish defense ministry

    Der Priester bei seiner Ankunft auf einem Militärflughafen bei Madrid.

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