Anständig bis in den Tod

8. August 2014, 17:28
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"Bernarda Albas Haus" im Jungen Theater Klagenfurt überzeugt mit durchdringenden Akzenten und intensivem Spiel

Klagenfurt - Bernarda Albas Haus aus der Feder des spanischen Dramatikers und Lyrikers Federico García Lorca wurde zwei Monate vor seiner Ermordung vollendet. "Das Bühnenbild muss äußerst einfach sein", vermerkt er im Dramentext.

Dieser Forderung kommt Regisseurin Angie Mautz bei der Junges-Theater-Klagenfurt-Produktion in der Theaterhalle 11 in Klagenfurt nach, streicht aber leider einige Rollen (die "verrückte" Mutter Bernardas, María Josefa u. a.). Gabriela Zaucher überzeugt als Bernarda Alba, unerbittliche Hüterin der Moral. Sich mit einem Stock gegen jede Widerrede Gehör verschaffend, herrscht sie unbarmherzig über ihre fünf Töchter. Nach dem Tod ihres Mannes ordnet sie eine achtjährige Trauerzeit an und zwingt ihre Kinder damit in die Isolation.

Die Angst vor übler Nachrede erstickt fortan jeden Wunsch nach Selbstbestimmtheit und Freiheit, da das Damoklesschwert der Denunziation ständig über den Bewohnerinnen zu schweben scheint. Die unterwürfige und gleichzeitig heimtückische Magd Poncia (intensiv: Miha Kristof) wacht über den Familiengeheimnissen ("Ich habe Augen im Kopf und an den Fingerspitzen"), die nahende Katastrophe bereits ahnend. Der Kampf unter den Schwestern um den "hübschen" Pepe el Romano (die unsichtbare Hauptfigur) endet tragisch mit dem Tod der jüngsten Tochter Adela (Katharina Stadtmann interpretiert jugendlichen Lebenshunger übertrieben hysterisch).

"Meine Tochter ist als Jungfrau gestorben!", schleudert Bernarda angesichts des Freitods Adelas dem Publikum entgegen - bis zuletzt besorgt um das Ansehen der Familie. Dominic Zimmels Soundchoreografie und Michael Rainers Lichtdesign setzen durchdringende Akzente. Die Einfachheit der Handlungsführung und die nüchtern harte Sprache in Bernarda Albas Haus fordern intensive Schauspielleistungen, wie sie Gabriela Zaucher, Miha Kristof und Iris Stromberger als Martirio geboten haben. Minutenlanger Applaus! (Rieke Höller, DER STANDARD, 9./10.8.2014)

Bis 16.8., Messeplatz 1, 0676/87 72 74 60, 20.00

  • Bernarda Alba zwingt ihre Töchter in die Isolation - und beschwört so ein Unglück herauf.
    foto: jtk / deborah fercher

    Bernarda Alba zwingt ihre Töchter in die Isolation - und beschwört so ein Unglück herauf.

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