Ebola: Monoklonale Antikörper aus Tabakpflanzen

8. August 2014, 15:09
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Die Pflanze Nicotiana benthamamiana wurde genetisch so verändert, dass sie monoklonale Antikörper produziert

Bisher gibt es noch kein Mittel gegen Ebola-Virus-Infektionen, die schwerste hämorrhagische Fieber auslösen können. Bereits 2011 hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Experten der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien eine neue Strategie entwickelt und getestet : Monoklonale Antikörper aus Tabakpflanzen mit speziell modifizierten Zuckeranteilen.

Experimentelles Gemisch

Die Wiener Wissenschafter haben seit rund zehn Jahren an jenen Techniken gearbeitet, mit denen das experimentelle Gemisch von monoklonalen Antikörpern produziert wird, das vor einigen Tagen bei zwei erkrankten amerikanischen Staatsbürgern - unter ihnen ein Arzt - eingesetzt wurde. "Wir sozusagen das Produktionssystem beigesteuert", sagte Herta Steinkellner von der Abteilung für Angewandte Genetik und Zellbiologie der Boku. Klinische Tests an gesunden Probanden würde das US-Unternehmen bereits planen, sie seien aber noch nicht gestartet worden.

Die wichtigsten ersten Forschungsergebnisse waren 2011 in der Zeitschrift der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht worden. Am U.S. Army Medical Research Institute of Infectious Disease ist ein muriner (aus Mäusen stammender) monoklonaler Antikörper entwickelt worden, der bei prophylaktischer oder therapeutischer Gabe Mäuse vor den Folgen einer Ebola-Virus-Infektion schützt.

Allerdings sind solche Antikörper beim Menschen schwer einsetzbar, weil sie immunogen sind und Abwehrreaktionen hervorrufen. Deshalb wurden die Mausprotein-Anteile des monoklonalen Antikörpers, der das Virus neutralisieren soll, durch vom Menschen stammende Proteinanteile ersetzt.

Veränderte Tabakpflanzen

Außerdem wurden an der Boku Nicotiana benthamamiana-Pflanzen, verwandt mit der Tabakpflanze, genetisch so verändert, dass sie diese monoklonalen Antikörper produzierten. "Wir konnten dabei zeigen, dass eine Veränderung der Glykosilierung des Antikörpers (Veränderung der Zuckerketten) den monoklonalen Antikörper noch wirksamer macht", sagt Steinkellner. Wirksamer jedenfalls als monoklonale Antikörper aus Säugetier-Zellkulturen, den herkömmlichen Produktionsvehikeln für solche Präparate.

"Uns ging es darum, durch die genetische Veränderung der Pflanzen ein System zu schaffen, mit dem man solche Proteine besonders gut und ergiebig produzieren kann", sagt die Wissenschafterin. Mit solchen genetisch veränderten Pflanzen könne man verschiedenste Eiweißstoffe herstellen. (APA, derStandard.at, 8.8.2014)

  • Aus Tabakpflanzen gewonnenen monoklonale Antikörper sind besonders wirksam.
    foto: daniel karmann dpa/lby

    Aus Tabakpflanzen gewonnenen monoklonale Antikörper sind besonders wirksam.

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