Kein Köpferollen wegen SP-Verhaltenskodex 

8. August 2014, 17:59
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Aufsichtsrat der Salzburg AG zückt "gelbe Karte" - Personalrichtlinien werden geprüft

Salzburg - Der Aufsichtsrat der Salzburg AG zückt nach dem Imageschaden der letzten Tage die "Gelbe Karte". Einen Rücktritt gibt es nach dem Auftauchen des heiß diskutierten "Verhaltenskodex" für SPÖ-nahe Führungskräfte nicht, sondern eine Verwarnung gegenüber allen Beteiligten.

Jeder wisse, was ein nochmaliges Zücken der Gelben Karte bedeute, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Struber (ÖVP). "Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine ernste Situation."

Die Sondersitzung wurde einberufen, weil eine "Punktuation" für sozialdemokratisch gesinnte Führungskräfte an die Medien gelangt war. Wie der Standard berichtete, wurde das Schreiben von Vorstandssprecher August Hirschbichler aufgesetzt. Laut diesem hatte es "Gleichbehandlung statt Bevorzugung" zum Ziel gehabt.

Betroffene bedauern Schaden fürs Unternehmen

Für die sieben Führungskräfte, die das Schreiben unterzeichnet haben, gibt es eine strenge Ermahnung, den Posten verliert keiner. Die schriftlichen Stellungnahmen der Betroffenen seien vom Aufsichtsrat zur Kenntnis genommen worden. Darin hätten die Betroffenen geschildert, wie dieses Papier zustande gekommen war und ihr Bedauern ausgesprochen, dem Unternehmen geschadet zu haben.

Nun würden alle Kräfte in die Wiederherstellung des positiven Images der Salzburg AG gesteckt, erklärt Struber und betont: "Man kann eine parteipolitische Einflussnahme bei den Personalentscheidungen der letzten Jahre ausschließen." Auch sein Stellvertreter, Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) erklärt, er habe seit seiner Aufsichtsratstätigkeit bei der Salzburg AG "peinlich darauf geachtet, dass es keinen Durchgriff gab".

Gleichzeitig sollen die Richtlinien für Personalentscheidungen extern überprüft werden, "ob sie noch State of the Art sind", sagt Struber. Die Überprüfung wird der Wiener Arbeits- und Sozialrechtler Wolfgang Mazal übernehmen. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im Oktober sollen Vorschläge für allfällige Änderungen vorgelegt werden.

Doppelspitze Verkehr bleibt

Die teilweise Entmachtung von Verkehrsdirektor Gunter Mackinger wurde am Freitag übrigens nicht rückgängig gemacht. Dass ihm mit Peter Brandl ein zweiter Direktor für das operative Geschäft zur Seite gestellt wurde, sei eine Anpassung auf die gestiegenen Managementanforderungen, erklärte Struber. "Die Zahl der Mitarbeiter im Verkehr ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, daher ist eine Verbreiterung der Führungsspitze sinnvoll", sagte Schaden. Mackinger sei aufgrund seines Engagments für den Verkehr an die Grenze seiner physischen Belastbarkeit gegangen.

Derzeit werde die Arbeitsaufteilung zwischen den beiden Direktoren neu diskutiert, erläuterte Struber. Über konkrete Kompetenzen könne deshalb noch nicht gesprochen werden. Fix ist aber, dass Mackinger nicht mehr für den operativen Betrieb der Lokalbahnen und der Obusse in der Stadt Salzburg zuständig ist. Er soll nur noch die Strategie der Verkehrsbetriebe erarbeiten. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 9.8.2014)

  • Aufsichtsratsvorsitzender Christian Struber und sein Stellvertreter  Heinz Schaden sprechen eine Verwarnung  aus.
    apa/neumayr

    Aufsichtsratsvorsitzender Christian Struber und sein Stellvertreter Heinz Schaden sprechen eine Verwarnung aus.

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