Astronauten schlafen seltsam ... und nicht immer gut

8. August 2014, 13:01
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US-Mediziner führen Erhebung unter Raumfahrern durch - drei Viertel davon greifen während Weltraummissionen zu Schlafmitteln

Boston - Seit der "Space Oddities"-Videoserie des Astronauten Chris Hadfield wissen wir vieles vom Raumfahreralltag aus erster Hand. Zum Beispiel wie Astronauten an Bord der ISS schlafen: Ein bisschen wie Frankenstein, sagt Hadfield. Sie hängen in ihren Schlafsäcken, ihre Arme wandern dabei aufgrund der Schwerelosigkeit vom Körper weg, bis sie nach vorne ausgestreckt sind.

Hadfield empfand den schwerelosen Schlaf, bei dem man weder Polster noch Matratze braucht, um es bequem zu haben, als angenehm. Und auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst, der sich derzeit auf der ISS befindet, twitterte vor kurzem: "Schlafe erstaunlich gut hier, wenn auch mit Pausen, da noch etwas ungewohnt, im Schlaf zu schweben."

Die Studie

Doch das sind subjektive Eindrücke; zudem kommen sie von Raumfahrern, die bereits einige Zeit hatten, sich auf ihre ungewöhnliche Umgebung einzustellen. Insgesamt lässt der Astronautenschlaf aber doch zu wünschen übrig, resümiert eine Studie von Wissenschaftern der Harvard Medical School in Boston und der University of Colorado in Boulder.

Für die in "The Lancet Neurology" veröffentlichte Studie wurden Daten von 64 Astronauten auf Shuttle-Missionen und von 21 ihrer Kollegen auf der ISS ausgewertet. Analysiert wurde dabei aber nicht nur der Schlaf im Weltraum, sondern auch in den Tagen vor und nach einer Mission. So wurden insgesamt 4.000 Nächte auf der Erde und 4.200 im Weltraum untersucht.

Die Aktivität in der Nacht wurde mit einem Gerät am Handgelenk gemessen. Auch Tagebucheinträge zur Qualität des Schlafes machten die Probanden, um ihre subjektiven Eindrücke zu sammeln.

Da ginge noch was

Das Ergebnis: Im Schnitt schliefen die Astronauten um einiges kürzer, als es die NASA gerne hätte und in ihren Plänen auch vorsieht. Vor einer Mission lag der Schnitt bei 6,5 Stunden - etwa eine halbe Stunde weniger als der Durchschnittsamerikaner. Im Weltraum verkürzte sich die Schlafzeit noch einmal: Auf sechs Stunden und fünf Minuten an Bord der ISS, auf knapp sechs Stunden bei Shuttleflügen.

Stress und Aufregung mögen eine Rolle dafür spielen, dass sich die Schlafzeit schon vor einem Flug reduziert. Mehr als drei Viertel der befragten Teilnehmer der Shuttle-Missionen nahmen auf dem Flug Schlaftabletten. Und das, obwohl die NASA auf guten Schlaf achtet und sich schon das Training durch eine enorme Menge an routinemäßigen und vielfach wiederholten Abläufen auszeichnet, was den Astronauten einen vergleichsweise geregelten Tagesablauf bietet.

An Bord kommen dann noch die zumindest anfangs ungewohnte Schwerelosigkeit und nicht zuletzt der Geräuschpegel durch die Vielzahl an Geräten ins Spiel: Hadfield verweist in seiner Biografie darauf, dass es an Bord der ISS viel lauter ist, als sich die Menschen auf der Erde vorstellen können. (red, derStandard.at, 8. 8. 2014)

  • Astronauten richten sich in ihren Schlafsäcken ein - hier an Bord eines der geräumigen, aber mittlerweile eingemotteten Space-Shuttles.
    foto: ap/nasa

    Astronauten richten sich in ihren Schlafsäcken ein - hier an Bord eines der geräumigen, aber mittlerweile eingemotteten Space-Shuttles.

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