Song Contest: "Geht um Geld der Gebührenzahler"

7. August 2014, 17:57
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Warum sich ORF-Chef Alexander Wrabetz für Wien entschieden hat - wenn Innsbruck mehr bot und wie Graz, im Unterschied zu Wien, für höhere Kosten gehaftet hätte, fragen Stiftungsräte. Der Finanzdirektor ließ seine Weigerung protokollieren

Wien - Alexander Wrabetz ist laut Gesetz Alleingeschäftsführer des ORF. So entschied er sich für Wien und seine Stadthalle als Location für den Song Contest 2015 nach zwei Marathonsitzungen der ORF-Direktoren und Projektmanager.

Finanzdirektor Richard Grasl reichte die Alleinverantwortung offenbar nicht - womöglich wird daraus noch eine Haftungsfrage. Nach STANDARD-Infos ließ Grasl ausdrücklich protokollieren, dass Innsbruck aus seiner Sicht das beste finanzielle Angebot legte.

Chef-Menü

Das ergaben die Bewertungen der Arbeitsgruppe unter Projektmanager Edgar Böhm: Platz eins Innsbruck, dann Graz, zuletzt Wien. Und Grasl ließ festhalten: Umreihung der Angebote sei Entscheidung des Alleingeschäftsführers.

Die Angebote Wiens und Innsbrucks sollen sich nach letzten Berechnungen unter Wrabetz angenähert haben - von einer Million Euro Differenz zwischen Innsbruck und Wien auf 500.000. Andere Quellen aus dem ORF sprechen von einer Differenz von 1,2 bis 1,9 Millionen Euro, je nach interner Berechnung. Tirol habe etwa angeboten, rund 400.000 Euro Zusatzkosten für den mehrwöchigen Einsatz hunderter ORF-Mitarbeiter aus Wien in Tirol zu übernehmen.

Bürgermeisterin "verwundert"

Quellen aus Tirol berichten, dass Land und Stadt noch signalisiert hatten, sie wären zum Aufstocken bereit, manche sagen: um Millionen. Wrabetz habe dankend abgewunken. Diesen - von glaubwürdiger Quelle kolportierten - Kontakt bestätigt das Landeshauptmannbüro nicht.

"Da fehlen wesentliche Positionen"

Auch Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (ÖVP) will Zusatzangebote nicht kommentieren. Sie "verwundert" das Leistungspaket Wiens, wie es der ORF selbst referiert. "Da fehlen wesentliche Positionen", findet Oppitz. "Das übernimmt letztlich wohl der Gebührenzahler." Das Sicherheitskonzept etwa - Innsbruck taxierte es anhand Olympischer Spiele mit einer Million. Die Erfahrungen sagten ihr auch: Gratisfahrten mit den Wiener Linien "reichen nicht", da brauche es wohl auch in Wien Shuttle-Dienste. Innsbruck veranschlagte 650.000, Wien 70.000 Euro. Auch andere Angebote bewerte Wien niedriger - "die Differenz gibt es dann wohl auch in der Leistung".

Wien: Rund zwölf Millionen

Wien veranschlagt für die Stadthalle 8,89 Millionen Euro inklusive Adaptierung, ohne neue Komplettklimaanlage. Hallenchef Wolfgang Fischer will die Rundfunkunion offenbar noch davon überzeugen, dass die bestehende Klimatisierung bis auf eine Halle reicht. Für das Rathaus kalkuliert Wien 0,75 Millionen, für das "Eurovision Village" 0,15 Millionen, für eine Werbekampagne des Wien Tourismus 0,85 Millionen und eine der Stadt eine Million.

Ein Unterschied beschäftigt Stiftungsräte besonders: Innsbruck und Graz boten Risikohaftungen an - sie würden etwaige Mehrkosten übernehmen. Für die Stadt Kopenhagen - sie baute eine Werft um - wurden aus geplanten 4,6 schließlich 15 Millionen.

Nicht rundum sorglos

So ein "Rundum-sorglos-Paket" (ORF-Jargon) brauche Wien nicht, signalisiert eine Sprecherin von Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ): "Unser Part ist realistisch kalkuliert, ich wüsste nicht, wo die Kosten in die Höhe schnellen sollten." Pönalen oder Verlegung für schon vermarktete Veranstaltungen in der Stadthalle (Apassionata, James Last) wären kalkuliert.

Die Grazer Stadtregierung will nun "alle Zahlen auf den Tisch bekommen". Auch Tirols ORF-Stiftungsrat Josef Resch möchte Einblick in die Entscheidungsunterlagen. Thomas Zach leitet den Finanzausschuss des Stiftungsrats. Er erinnert, dass das Gremium verlangte, den Standort "nachvollziehbar und objektiv" zu entscheiden. "In Zeiten knapper Mittel" sei "entsprechend maßgeblich", wer den "größten finanziellen Beitrag" leistet. Zach erwartet, dass Wrabetz "gehalten hat, was er sich vorgenommen hat".

Wrabetz begründet die Entscheidung in einem Brief an die Stiftungsräte unter anderem mit der "Musikstadt Wien", positioniert als Ort der Gleichberechtigung, "modernes Österreich" und beruft sich auf "programmliche Vorteile", welche die Fernsehdirektorin "hervorgehoben" habe. (fid, DER STANDARD, 8.8.2014)

  • Dreimal teurer als geplant für Kopenhagen: Song Contest 2014 in einer umgebauten Werft.
    foto: reuters/schwarz

    Dreimal teurer als geplant für Kopenhagen: Song Contest 2014 in einer umgebauten Werft.

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