"Modellauto-Affäre" belastet die CSU

7. August 2014, 17:37
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Die Chefin der bayerischen Staatskanzlei soll mit einem Mörder krumme Geschäfte gemacht haben

Autos und die CSU - da ist im Moment im Großen wie im Kleinen der Wurm drin. Im Großen steht Verkehrsminister Dobrindt (CSU) wegen seiner Pläne für eine Ausländermaut unter Beschuss. Und im Kleinen geht es um Modellautos, die für viel Ärger sorgen, vor allem für die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer (CSU). Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die Fahrzeuge selbst sind kleine Schmuckstücke: Oldtimer, von Hand gebaut im Maßstab 1:8. Auf dem Sammlermarkt erzielen diese Unikate sechsstellige Summen; häufig lassen sich Eigentümer von Oldtimern ihre "Lieblinge" in kleiner Version nachbauen.

Mörder als Spezialist

In Deutschland gibt es einen Spezialisten, der diese Modellautos herstellt: Roland S. Dem gelernten Bauschlosser wird "akribische Fingerfertigkeit" attestiert, aber auch "schwere seelische Abartigkeit". Er hat drei Männer ermordet, ihnen Kopf und Penis abgeschnitten. 1988 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, noch heute ist der nun 76-Jährige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Dort fiel er vor vielen Jahren dem Psychiater Hubert Haderthauer auf. Der erkannte das Talent des Häftlings und ließ ihn für die Firma Sapor Modelltechnik arbeiten, an der er und die CSU-Politikerin beteiligt waren.

Es gab noch einen Mitgesellschafter: Roger Ponton, einen Unternehmer aus dem Elsass. Dieser hat die Lawine, die Haderthauer nun mitzureißen droht, losgetreten, indem er Anzeige gegen sie erstattete. Ponton ist überzeugt: Als Hubert Haderthauer ihn 2008 ausbezahlte, wurde er über den Tisch gezogen. Das Ehepaar habe ihm und auch dem Fiskus nämlich enorme Gewinne der Firma verheimlicht.

Therapie versus Gewinn

Die Haderthauers bestreiten das und erklären, die Firma habe kaum Gewinne gemacht, es sei vielmehr der Therapieerfolg für Häftlinge wichtig gewesen. Ponton hingegen sagt: "Es ging von Anfang an nur ums Geschäft."

Christine Haderthauer tat die Ermittlungen gegen sie und ihren Mann zunächst als "Hysterie" und "Sommertheater" ab. Doch seit neuestem schweigt sie, denn das Ungemach droht noch größer zu werden. Auch Mörder und Modellbauer Roland S. will Anzeige erstatten. "Mein Mandat fühlt sich von dem Ehepaar Haderthauer ausgenutzt", erklärt sein Anwalt Adam Ahmed. Er habe 200 Euro Monatslohn bekommen, die 130 von ihm gebauten Auto seien aber - unter Haderthauers Namen - für mehr als 2,6 Millionen Euro weiterverkauft worden.

Die Bild-Zeitung berichtet zudem, Christine Haderthauer habe Roland S. "zum Dank" auch öfter zum Essen in ein Ansbacher Lokal ausgeführt. Wie der Häftling den Hochsicherheitstrakt verlassen konnte, ist unklar.

Zuerst hat sich Bayerns Ministerpräsident schützend vor Haderthauer gestellt. Mittlerweile aber ist er auf Distanz gegangen und erklärte, dass die Dinge neu bewertet werden müssten, wenn etwas auftauche, was "bisher nicht diskutiert wurde". (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 8.8.2014)

  • Christine Haderthauer, Chefin der bayerischen Staatskanzlei, hat ihrem Chef Horst Seehofer einiges zu erklären.
    foto: dpa/daniel karmann

    Christine Haderthauer, Chefin der bayerischen Staatskanzlei, hat ihrem Chef Horst Seehofer einiges zu erklären.

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