ORF-Chef denkt über Song Contest nach: Die innere Stimme

7. August 2014, 17:18
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Wenn Häupl die Wiener Landtagswahl auf Juni vorverlegt, muss verhindert werden, dass Österreich im Mai Letzter wird

"Alex, ich gratuliere! Du weißt aber, was sich jetzt gehört! Geld spielt keine Rolle! Wien ist eine offene Weltstadt", hörte Alexander Wrabetz jetzt noch, Monate nach dem Song-Contest-Sieg Conchitas, Wiens Stimme in sich tönen. Michael Häupls Worte hatten aber nichts Drohendes mehr, klangen in Wrabetz milder als in jener Siegesnacht, als Häupl anrief.

Wie auch immer. Wrabetz hatte sich für die Hauptstadt entschieden, der Zorn der verschmähten Landeshäuptlinge hielt sich in Grenzen, er konnte also weiterdenken - wer sollte diesmal singen? Heikel. Wenn Häupl die Wiener Landtagswahl auf Juni vorverlegt, muss verhindert werden, dass Österreich im Mai Letzter wird. Ein Sieg wiederum würde zwar Häupls Chancen auf die Absolute befeuern. Dann aber hätte er, Alex, ein gewaltiges Problem. Das Ganze schon wieder ausrichten? "Ohne mich!", schrie Wrabetz in die Nacht hinein und suchte im Geiste jene Künstler, die einen Kompromiss, den Mittelplatz, garantieren würden.

Schwierig. Wie man Letzter wird, wüsste Wrabetz. Aus Trackshittaz, Wilfried und Thomas Forstner eine Gruppe formen, das hätte Charme - die wissen, wie man versagt. Jemanden für die Mitte zu finden war schwerer, zumal die Wahl im unkontrollierbaren öffentlichen Wettsingen erfolgt. Wrabetz zückte das Handy - vielleicht hatte ja Häupl eine Idee. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 8.8.2014)

  • Conchita Wurst und Alexander Wrabetz.
    foto: apa/orf/milenko badzic

    Conchita Wurst und Alexander Wrabetz.

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