WHO spricht von internationalem Notfall 

7. August 2014, 19:13
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Experten der Weltgesundheitsorganisation beraten darüber, ob sie die Ebola-Epidemie in Westafrika zu einem weltweiten Gesundheitsnotfall erklären sollen - In Liberia verhängt Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf unterdessen den Notstand

Wien - Mindestens 90 Tage lang herrscht im westafrikanischen Staat Liberia nun der Notstand. Grund dafür sind die mehr als 280 Menschen, die an dem gefährlichen Ebola-Virus starben. Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf sieht dadurch die Sicherheit des Landes ernsthaft in Gefahr. Durch den ausgerufenen Notstand kann die Regierung, wenn notwendig, auch Gesetze außer Kraft setzen.

In Liberia breitet sich das Virus am schnellsten aus und ist in 50 bis 60 Prozent aller Fälle tödlich. Durch den ausgerufenen Notstand ist es aber auch zu Angst unter einigen Krankenhausmitarbeitern des Landes gekommen, sagte der Leiter der Nationalen Gesundheitsarbeiterorganisation zur BBC. Sie hätten daraufhin die Kliniken verlassen, die daraufhin teilweise geschlossen werden mussten. Die Präsidentin selbst weist darauf hin, dass dadurch viele regenzeitbedingte Krankheiten wie Malaria oder Typhus nicht mehr behandelt werden können. Das könnte zu unnötigen und vermeidbaren Todesopfern führen.

Auch ein großes Krankenhaus Liberias musste aufgrund von Infektionen des Personals geschlossen werden. Unter den betroffenen Mitarbeitern befindet sich auch der spanische Priester, der am Donnerstag in sein Heimatland geflogen wurde.

Sichere Begräbnisse schwierig

Für Iza Ciglenecki von Ärzte ohne Grenzen zeigt die Ausrufung des Notstands, "dass die Regierung das Ausmaß der Krise erkannt hat und entsprechend damit umgeht". Die Epidemiologin aus der Genfer Einsatzzentrale kann aber noch nicht abschätzen, "was das konkret für die Arbeit vor Ort bedeutet". Sie fordert ein funktionierendes Alarm- und Überweisungssystem für Verdachtsfälle im westafrikanischen Staat. Außerdem sei es schwierig, sichere Begräbnisse zu organisieren, damit sich die Angehörigen bei den infizierten Leichen nicht anstecken. Die Hilfsorganisation bereitet laut Ciglenecki nun "eine deutliche Aufstockung der Arbeit in Liberia" vor.

Im westlichen Nachbarstaat Sierra Leone wurden indessen weitere Gebiete abgeriegelt, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Saudi-Arabien veröffentlichte eine Reisewarnung für Liberia, Sierra Leone und Guinea - einen Tag, nachdem ein möglicherweise mit Ebola infizierter Mann in Saudi-Arabien gestorben war. Er war auf einer Geschäftsreise in Sierra Leone gewesen. Bestätigt sich der Ebola-Verdacht, dann wäre der Verstorbene das erste Opfer außerhalb Afrikas.

Insgesamt mehr als 930 Tote forderte das Virus seit Februar in Westafrika. Mehr als 1700 Personen infizierten sich mit Ebola. Aufgrund der Größe der Epidemie traffen sich die Experten der Weltgesundheitsorganisation am Donnerstag und Freitag in Genf. Dort wurde beschlossen, die Ebola-Epidemie in Westafrika als Internationalen Gesundheitsnotfall einzustufen worden. Damit kann die WHO jetzt weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen. Reiseeinschränkungen für die betroffenen Gebiete könnten in Kraft treten.

Zweites Treffen geplant

Bei einem zweiten Treffen kommende Woche will die WHO schließlich Ethik- und Gesundheitsexperten fragen, ob noch nicht ausgetestete Impfstoffe und Medikamente in den Krisengebieten eingesetzt werden sollen. (red/Bianca Blei, DER STANDARD, 8.8.2014)

Nachlese (+Postings):

Ebola-Epidemie: Liberias Präsidentin ruft den Notstand aus

Hintergrund über Medikament:

Ebola: Legende über Wundermittel

Informationen und Spendenmöglichkeit:

Ebola-Informationen von Ärzte ohne Grenzen

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Spendenzweck "Ebola"

  • Am Donnerstag wurde ein spanischer Priester aus Liberia zurück in die Heimat geflogen. Er hatte sich in Westafrika mit dem Ebola-Virus infiziert und wird nun in Spanien behandelt.
    foto: reuters/ignacio gil-abc

    Am Donnerstag wurde ein spanischer Priester aus Liberia zurück in die Heimat geflogen. Er hatte sich in Westafrika mit dem Ebola-Virus infiziert und wird nun in Spanien behandelt.

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