EZB bereit für weitere massive Wertpapierkäufe

7. August 2014, 13:50
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Die Währungshüter halten an ihrer lockeren Geldpolitik fest und sind für weitere unkonventionelle Maßnahmen offen

Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, werden ihre drei Leitzinssätze nicht angetastet. Der wichtigste Zins für einwöchiges Zentralbankgeld liegt damit weiterhin auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent. Der Ausleihungssatz zur Spitzenrefinanzierung beträgt weiterhin 0,4 Prozent.

Der Einlagensatz verharrt bei minus 0,1 Prozent. Auf dieses Niveau hatte ihn die EZB in einem vielbeachteten Schritt Anfang Juni reduziert. Sie ist die erste große Notenbank, die von Geschäftsbanken eine Gebühr verlangt, soweit diese überschüssiges Geld bei ihr deponieren. Der Negativzins soll die Banken zur Ausweitung ihrer Kreditvergabe bewegen. Zudem macht er Anlagen im Währungsraum weniger attraktiv und übt so Druck auf den Euro aus. Dies soll helfen, die schwache Inflation anzuschieben.

Weitere unkonventionelle Maßnahmen nicht ausgeschlossen

Die EZB hat ihre Bereitschaft zu weiteren Schritten im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum bekräftigt. Die EZB werde "auch weitere unkonventionelle Maßnahmen einsetzen", falls das notwendig werde, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Angesichts wachsender Deflationssorgen hält die EZB die Tür für massive Wertpapierkäufe weiter offen. Falls die Inflation niedriger ausfallen werde als bisher erwartet, sei die EZB-Spitze zu diesem Schritt bereit, sagte Notenbank-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Ein solches Ankaufprogramm - im Fachjargon "Quantitative Easing" genannt - dient als letztes Mittel, um eine Deflation zu verhindern.

Zuletzt war die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf 0,4 Prozent gefallen. Stabile Preise sieht die EZB aber nur bei knapp zwei Prozent. Auf breiter Front fallende Preise gelten als besonders gefährlich, weil eine solche Deflationsspirale die Konjunktur abwürgen kann.

Sorge über die Konjunktur

Besorgt zeigt sich der EZB-Chef im Hinblick auf die Konjunktur. Die Erholung gehe zwar weiter, aber nicht stetig, sagte Draghi. Die zuletzt gestiegenen geopolitischen Risiken könnten das wirtschaftliche Umfeld negativ beeinflussen. Die EZB werde diese Auswirkungen und auch die Entwicklungen bei den Wechselkursen genau im Auge behalten, betonte Draghi. Es sei schwer einzuschätzen, welche Folgen die Sanktionen im Ukraine-Konflikt und Gegenmaßnahmen Russlands hätten. (APA, 7.8.2014)

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