"Bewaffnete Antikörper": Neue Therapie heilt Arthritis bei Mäusen

7. August 2014, 14:54
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Kombination eines etablierten Medikaments mit einem neuen Fusionsmolekül führte im Mausmodell zu vollständiger Heilung

Zürich - Mit einer neuen, kombinierten Therapie ist es erstmals gelungen, Arthritis bei Mäusen zu heilen. Das berichten Forscher der ETH Zürich. Ihre Studienergebnisse wurden aktuell im Fachblatt "PNAS" veröffentlicht.

An rheumatoider Arthritis, auch chronische Polyarthritis genannt, leidet etwa ein Prozent der Menschen weltweit. Die Gelenkkapsel schwillt dabei schmerzhaft an, Knorpel und Knochen können zerstört werden. Bisher gibt es nur Medikamente, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder stabilisieren.

Kombinationstherapie

Den Zürcher Forschern ist es nun gelungen, mit einem sogenannten "bewaffneten Antikörper" - in Kombination mit einem bereits verfügbaren Medikament - Mäuse vollständig von der Krankheit zu heilen. Das neue Fusionsmolekül besteht zum einen aus dem körpereigenen Immunbotenstoff Interleukin-4 (IL-4). Aus früheren Studien ist bekannt, dass IL-4 an Gelenkrheuma erkrankte Mäuse vor Knorpel- und Knochenschäden schützt.

Der zweite Teil ist ein Antikörper, der sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an eine Proteinform bindet, die nur bei bestimmten Krankheiten in entzündetem Gewebe (sowie in Tumorgewebe) vorkommt. Dank dieser Koppelung gelangt das IL-4 gezielt an den Ort der Krankheit.

"Die Konzentration im restlichen Körper ist minimal. Dies verringert Nebenwirkungen", so Teresa Hemmerle, Erstautorin der Studie. Den "bewaffneten Antikörper" testeten die Wissenschafter in Versuchen mit Mäusen, bei denen die Tiere innerhalb von wenigen Tagen aufgrund einer Entzündung geschwollene Zehen und Pfoten entwickelten.

Klinische Tests in Vorbereitung

Bei manchen Tieren kombinierten die Forscher das Fusionsmolekül auch noch mit einem cortisonähnlichen Medikament (Dexamethason). Die Behandlung der Mäuse begann immer dann, wenn die Schwellungen an den Extremitäten auftraten. Sowohl das neue Molekül wie auch Dexamethason alleine konnten den Krankheitsverlauf nur verlangsamen. Wurden aber beide Medikamente gleichzeitig verabreicht, verschwanden die Arthritis-Anzeichen innerhalb weniger Tage komplett. Auch die Konzentrationen diverser Immunbotenstoffe im Blut und im kranken Gewebe, die bei Polyarthritis verändert sind, normalisierten sich.

"In unserem Mausmodell führt diese kombinierte Therapie zu einer langfristigen Heilung", fasst Hemmerle zusammen. Das an der Arbeit beteiligte Unternehmen Philochem bereitet derzeit klinische Versuche des Medikaments bei Menschen mit chronischer Polyarthritis vor. Diese Tests sollen laut Hemmerle im nächsten Jahr beginnen. (APA/red, derStandard.at, 7.8.2014)

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