Krisenherde schicken Wiener Börse auf Talfahrt

7. August 2014, 13:52
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Politische Konflikte und schlechte Quartalszahlen machen den europäischen Märkten zu schaffen. Die USA hingegen schlagen sich relativ gut

Wien - Die wachsenden Spannungen in der Ukraine und der andauernde Konflikt im Nahen Osten haben sich zuletzt negativ auf die europäischen Aktienkurse ausgewirkt. Anleger flüchten aktuell in vermeintlich sichere Häfen und kaufen vermehrt Gold, was den Preis je Feinunze auf über 1300 Dollar (972 Euro) steigen ließ.

Österreich sei besonders von der Ukraine-Krise getroffen, sagt RBI Aktienmarktanalyst Christian Hinterwallner. Der Gaza-Konflikt habe sich hierzulande weniger stark ausgewirkt. Seit seinem Jahreshöchststand im Jänner hat der heimische Leitindex ATX 17 Prozent verloren.

Auch der deutsche Aktienindex DAX hat seit seinem Jahreshöchststand im Juli knapp neun Prozent verloren. Hier haben vor allem Nachrichten vonseiten der Unternehmen auf die Kurse gedrückt. So etwa musste Adidas eine Gewinnwarnung aussprechen. Doch es gebe auch gute Nachrichten, so Hinterwallner. Der deutschen Automobilindustrie etwa ginge es sehr gut.

USA besser als Europa

Insgesamt drücken aber schwache Konjunkturdaten mancher Euroländer auf die Aktienkurse. Vor allem Italiens Rückfall in die Rezession hatte die europäischen Börsen belastet. „Damit kochen die Sorgen einer nicht enden wollenden Krise im Süden der Eurozone wieder hoch“, sagt Niall Delventhal vom Marktanalysten Daily FX.

Die USA hingegen schlagen sich gut. Vor allem deshalb, weil die Konjunkturdynamik dort zuletzt deutlich zugenommen habe, so Hinterwallner. Alles deutet darauf hin, dass die US-Konjunktur gerade "auf Hochtour" laufe, heißt es von der RBI. In der Eurozone sei der Aufschwung zäher und immer wieder von Rückschlägen, wie eben jenem in Italien, geprägt, so Hinterwallner. Auch die Quartalsergebnisse der US-amerikanischen Unternehmen haben für eine freudige Überraschung gesorgt: 75 Prozent der beim Aktienindex S&P 500 notierten Unternehmen hätten ihre Gewinnerwartungen im letzten Quartal übertreffen können.

Amerikanische Zinswende

Die gute Konjunkturlage führt zu Spekulationen, dass die US-Notenbank Fed möglicherweise schon bald den Leitzins anheben würde. Dies würde auch die kurzfristige Rendite für US-amerikanische Staatsanleihen erhöhen. Der Unterschied zwischen den Renditen der Staatspapiere ist ein wichtiger Treiber für den Dollarkurs im Vergleich zum Euro. Vor allem deshalb, weil die Renditen auf deutsche Anleihen kürzlich einen historischen Tiefstand erreicht hätten, sei zu erwarten, dass sich die Zinserhöhung positiv auf den Dollar auswirke. Dieser hat schon jetzt weltweit zugelegt. Der aktuelle Kurs liegt bei 1,337 Dollar pro einem Euro. (Sonja Spitzer, derStandard.at, 7.8.2014)

  • Europas Börsen sind nervös: Die Ukraine-Krise und Konjunkturdaten drücken auf die Kurse.
    foto: apa

    Europas Börsen sind nervös: Die Ukraine-Krise und Konjunkturdaten drücken auf die Kurse.

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