Und was ist mit Malaria?

Blog7. August 2014, 14:03
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Die Ebola-Panik darf die weltweite Aufmerksamkeit nicht vom größtem Killer in Afrika weglenken

Wenn man den Nachrichten folgt, würde man glauben, dass Ebola Millionen von Menschen in Westafrika bedroht. Aber so schlimm die Epidemie für die betroffenen Menschen und Gebiete auch ist, im Vergleich zu anderen tropischen Krankheiten bleibt Ebola ein bewältigbares Problem.

Bei ausreichenden Vorsichtsmaßnahmen ist die Ansteckungsgefahr viel geringer als bei anderen Viren, die über die Luft übertragen werden können, weshalb sich Ebola zwar auch im schlimmsten Fall beständig, aber nicht rasant ausbreiten kann.

Die rund tausend Todesopfer seit Ausbruch der Krankheit sind bestürzend und die Folgen für die am stärksten betroffenen Gebiete katastrophal.

Aber nüchtern betrachtet steht Ebola unter den Gesundheitsproblemen in Ländern wie Guinea, Sierra Leone, Liberia, Nigeria immer noch nicht ganz oben. Die politischen Reaktionen einiger Staaten – Schließung der Schulen im ganzen Land, Ausnahmezustand – wirken daher weder angemessen noch zielführend.

Bis zu 1,2 Millionen Malaria-Tote im Jahr

Vor allem aber wird durch die jüngste Ebola-Panik erneut die Aufmerksamkeit von anderen Krankheiten abgelenkt, die viel tödlicher sind und durch relativ einfache Mittel bekämpft werden könnten. An erster Stelle steht Malaria, der jährlich bis zu 1,2 Millionen Menschen zum Opfer fallen, vor allem Kinder in Afrika.

Mit entsprechenden finanziellen Mitteln und politischem Willen ließe sich Malaria erfolgreich eindämmen – durch Trockenlegen von Wasserlöchern in der Nähe von Dörfern, wo Moskitos brüten; durch die Verteilung von Moskitonetzen und durch die Entwicklung einer leistbaren Impfung. Doch trotz der Erfolge in der Forschung und der Bemühungen von Institutionen wie etwa der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung kommt man im Kampf gegen Malaria nicht rasch genug voran.

Nach Aids kommt Ebola

Und daran ist auch schuld, dass andere Krankheiten so viele finanzielle Ressourcen aufsaugen – jahrelang war es Aids, und nun möglicherweise Ebola.

Das spricht überhaupt nicht dagegen, alles zu tun, damit sich die aktuelle Seuche nicht weiter ausbreitet. Die Länder brauchen Hilfe ebenso wie die WHO, die finanziell immer noch ausgeblutet ist.

Aber wem der Kampf gegen Krankheit und Tod in Afrika wirklich ein Anliegen ist, der muss Malaria zum wichtigsten Anliegen erklären – und diese Priorität auch beibehalten, wenn der nächste Erreger eine weltweite Panik erzeugt. (Eric Frey, derStandard.at, 7.8.2014)

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