Verdächtiger im Fall Schumacher-Krankenakte tot aufgefunden

6. August 2014, 17:25
56 Postings

Mitarbeiter eines Schweizer Luftrettungsunternehmens wurde erst am Vortag festgenommen

Zürich - Ein Mann, der im Zusammenhang mit der illegalen Weitergabe eines Teiles der Krankenakte von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher in Haft gesessen ist, hat sich in seiner Zelle erhängt. Der Leichnam des Verdächtigen wurde am Mittwoch in der Früh in einem Polizeigefängnis in Zürich aufgefunden, gab die Zürcher Staatsanwaltschaft am Nachmittag bekannt.

Der Name der Person wurde nicht genannt. Es habe sich laut Staatsanwaltschaft aber um einen hochrangigen Mitarbeiter eines Helikopterunternehmens gehandelt. Dieser war am Dienstag im Zusammenhang mit dem Verdacht der Weitergabe vertraulicher Dokumente festgenommen worden. Teile der Schumacher-Akte waren im Juni diversen Medien zum Kauf angeboten worden.

Schumacher befindet sich nach einem schweren Skiunfall im Dezember und monatelangem Koma derzeit auf Reha in der Schweiz. Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) hätte ursprünglich den Transport des 45-jährigen Deutschen von der Universitätsklinik Grenoble nach Lausanne durchführen sollen. Daher hatten Mitarbeiter Einblick in Teile der Akten.

Letztlich wurde Schumacher aber gar nicht mit dem Hubschrauber, sondern mit einem Krankenwagen in die Schweiz überstellt. Für die Akten sollen laut der französischen Regionalzeitung "Le Dauphine Libere" 60.000 Schweizer Franken (49.280 Euro) verlangt worden sein. Die IP-Adresse des Computers, von dem die Angebote versandt worden sind, wurde zur Rega zurückverfolgt. Diese stellte daraufhin zur Aufklärung des Falles selbst Strafanzeige.

Schumacher hatte sich Ende Dezember bei einem Sturz in Meribel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Zum Gesundheitszustand des siebenfachen Weltmeisters gibt es weiterhin keine zuverlässigen Angaben.

Ermittlungen eingestellt

Die Ermittlungen zur illegalen Weitergabe der vertraulichen Dokumente aus der Krankenakte von Michael Schumacher werden laut der Staatsanwaltschaft Zürich nach dem Tod des Tatverdächtigen eingestellt. Es würden keine Erkenntnisse über andere Verdächtige vorliegen, hieß es von der Behörde. Unabhängig davon gelte auch für den Verstorbenen die Unschuldsvermutung.

Ernst Kohler, Chef der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega), zeigte sich vom Tod seines Mitarbeiters betroffen. "Dieses tragische Ereignis macht uns traurig und sprachlos", erklärte Kohler. "Unsere Gedanken und unser aufrichtiges Beileid gelten in diesem Augenblick den Angehörigen des Verstorbenen und den Personen aus seinem Umfeld." (APA, 6.8.2014)

Share if you care.