CDU-Lockruf lässt Roland Koch kalt

6. August 2014, 17:12
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Hessens Exministerpräsident lehnt Polit-Rückkehr ab

"RoKo in die GroKo!" Dieser Wunsch einiger führender Unionspolitiker in Deutschland wird wohl unerfüllt bleiben. Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) strebt nach seinem nicht ganz freiwilligen Ausscheiden als Vorstandschef beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger nicht in die Politik zurück.

Ein Comeback des 56-Jährigen käme jedoch in Teilen der Union gut an. "Ich habe Roland Koch immer hoch geschätzt. Er ist ein außerordentlich kluger Kopf." Dieses Loblied hatte Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer kurz nach Bilfingers Trennung von Koch angestimmt und über eine mögliche Rückkehr Kochs in die Politik gesagt: "Ich wünsche es mir, für die Union und für ihn."

Macht der Märkte wurde Koch zu Verhängnis

Ähnlich sieht es der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU): "Über ein politisches Comeback, in welcher Form auch immer, würde ich mich freuen. Sein politischer und wirtschaftlicher Sachverstand wäre für die gesamte Union eine große Bereicherung."

Koch war von 1999 bis August 2010 hessischer Ministerpräsident. Im März 2011 trat er seinen Job als Vorstandschef bei Bilfinger an. Nun wird sein Vertrag vorzeitig aufgelöst. Der Aufsichtsrat hatte das Vertrauen nach zwei Gewinnwarnungen in fünf Wochen verloren. "RoKo" konnte selbstgesteckte Ziele nicht erreichen.

"Es ist bezeichnend, dass ihm genau das zum Verhängnis geworden sei, was er in seiner Zeit als Politiker forciert hat: die Macht der Märkte", höhnt der hessische Linken-Politiker Willi van Ooyen.

Verwaiste Konservative

Dass Koch nun dennoch der Lockruf der Union ereilt, liegt an seinen politischen Positionen. Er war vor seinem Wechsel in die Wirtschaft der letzte einflussreiche Vertreter des konservativen Parteiflügels. Seit seinem Abgang fühlt sich dieser ziemlich verwaist. Koch, so die Hoffnung, könnte wieder Wähler zurückholen, die mittlerweile zu den Eurogegnern von der Alternative für Deutschland (AfD) abgewandert sind.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") berichtet, dass Koch trotzdem kein Comeback anstrebe. Er wolle sich jetzt einige Zeit zurückziehen und über seine Zukunft nachdenken. Kanzlerin Angela Merkel wird nicht allzu traurig sein. Koch galt parteiintern als ihr schärfster Widersacher. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 7.8.2014)

  • Roland Koch hat gerade keinen Job.
    foto: epa/uwe anspach

    Roland Koch hat gerade keinen Job.

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