Die Körbe hängen noch immer hoch

6. August 2014, 16:58
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Österreichs Basketball-Team will endlich in den Fokus rücken und sich für die EM 2015 qualifizieren. Coach Sallomon ist kein Träumer. "Geben zu viele Streicheleinheiten"

Wien - Vielleicht bedarf es wirklich eines zündenden Funkens, einer Geldexplosion. Was wäre, würde sich Didi Mateschitz in den Basketballsport verlieben? "Dann wären wir ein Basketball-Land und würden andere Sportarten untergraben, so wie es jetzt der Fußball und die Formel 1 tun", sagt Werner Sallomon.

In der Realität kämpft Basketball-Österreich weiter um Aufmerksamkeit, Sallomon als Trainer mit dem Nationalteam um eine Qualifikation für die EM 2015. Die Gegner heißen Deutschland, Polen und zum Auftakt am Sonntag Luxemburg (Schwechat, 20.20 Uhr, ORF Sport Plus). Der Gruppenerste ist fix qualifiziert, die sechs besten Zweiten aus insgesamt sieben Gruppen sind ebenfalls dabei.

Ziel ist Platz zwei, "obwohl Deutschland und Polen zwei Klassen über uns zu stellen sind. Beide Teams haben Brecher unter den Körben. Unser Manko ist die Unerfahrenheit, 2017 schaut die Sache anders aus. Aber darauf will niemand warten", sagt Sallomon. Die Baustellen bleiben. Es wird weiter in Turnsälen gespielt, Sallomon sieht aber nicht zwingend mehr Interesse durch mehr Infrastruktur. "In Klagenfurt steht ein wunderschönes, leeres Stadion. Und dann spielt Wolfsberg einmal gegen Chelsea und es kommen 30.000 Zuschauer. Davon viele gar nicht aus Österreich, sondern aus Asien. Das ist pervers."

"Leute bleiben lieber zuhause"

Sallomon hat sich beim Physiotherapeuten seines Teams, einem gebürtigen Serben, erkundigt, warum die Hallen am Balkan immer voll sind und bei uns nicht: "Weil wir eine so hohe Lebensqualität haben, bleiben die Leute am Wochenende lieber zu Hause. Das ist ein Problem der Fankultur. Sogar in Deutschland sind die Hallen bei fast allen großen Sportarten voll."

Die Anzahl der Basketball-Legionäre wächst stetig, mit Rasid Mahalbasic hat einer schon NBA-Luft geschnuppert. Für den 2,13-Meter-Rohdiamanten Jakob Pöltl kommt die EM-Quali noch zu früh, der 18-Jährige lässt sich an der Utah-University in der US-Collegeliga NCAA schleifen. Kapitän Thomas Schreiner spielt diese Saison mit seinem Verein BC River Andorra in der ersten spanischen Liga. Talente säumen natürlich nicht die Straßen. Österreich, das ist eher Eisstockschießen. Laut Statistik der Österreichischen Bundessportorganisation (BSO) liegen die Eisstockschützen mit 114.000 Aktiven nur hinter Fußball, Ski und Tennis. Basketball hat keine 20.000 Mitglieder.

Jugendmaßnahmen

Bei Jugendbewerben tastet man sich langsam an die Spitze heran, in der Liga wurde die Legionärsanzahl reduziert. "Es wurden aber keine flankierenden Maßnahmen gesetzt. Du kannst als heimischer Profi kaum vom Basketball leben. Ein Talent bekommt in Wels etwa 1000 Euro im Monat und ein Auto."

Sallomon würde sich über eine U23-Liga freuen, die ähnlich funktioniert wie das Collegesystem in den USA. "Ein 19-jähriger Österreicher fällt in ein Loch, weil er sich nicht mit einem Rookie aus Amerika messen kann, der schon fünf Jahre mit Vollgas in einem intensiven System trainiert hat." Zudem fehle es oft an der Selbstüberwindung. "Wir geben zu viele Streicheleinheiten, auch im pädagogischen System. Wir machen alles leichter für die Kinder", sagt der 54-Jährige, der im Brotberuf Leiter des sonderpädagogischen Zentrums in Klosterneuburg ist. Über ein zu geringes Trainingspensum gibt es in vielen Sportarten Diskussionen. "Will ich an die Spitze, muss ich mit 14 Jahren rund 300 Stunden im Jahr trainieren. Das steigert sich bis zum Herrenbereich auf 600. Diese Umfänge schaffen wir nicht."

Als ursprünglicher EM-Veranstalter musste sich die Ukraine aufgrund der instabilen politischen Lage zurückziehen. Mehrere Länder haben Interesse bekundet zu übernehmen, auch Deutschland. Österreich fehlen große Hallen. Dabei fände Sallomon eine gemeinsame Bewerbung mit dem Nachbarn super: "Dann wären wir auch fix qualifiziert." (Florian Vetter, DER STANDARD, 7.8.2014)

Termine in der Qualifikation:

10.08.2014 Österreich - Luxemburg (20.20h) Multiversum

13.08.2014 Österreich - Deutschland (20.20h) Multiversum

17.08.2014 Österreich - Polen (20.20h) Multiversum

20.08.2014 Luxemburg - Österreich (19.30h) Luxemburg

24.08.2014 Deutschland - Österreich (14.00h) Hagen

27.08.2014 Polen - Österreich (20.00h) Lubin

  • Sallomon hofft auf Fankultur.
    foto: apa/ pfarrhofer

    Sallomon hofft auf Fankultur.

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