Ägypten lanciert Mammutprojekte gegen Armut

6. August 2014, 16:48
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Präsident Abdelfattah al-Sisi will mit Suez-Kanal-Ausbau eine Million Jobs schaffen

Der Suezkanal ist mit fünf Milliarden US-Dollar (3,75 Milliarden Euro) nicht nur eine wichtige Einnahmequelle, sondern ein "nationales Projekt" für Ägypten. Die rund drei Milliarden Euro an Kosten für seinen nun geplanten Ausbau sollen deshalb lokal aufgebracht werden, zum Beispiel über Volksaktien in kleinen Stückelungen, wie Präsident Abdelfattah al-Sisi am Dienstag beim Spatenstich ankündigte. Werbung und Bestelllisten dafür wurden von Aktivisten bereits am Mittwoch verteilt.

Eine Million neuer Arbeitsplätze

35 Kilometer der Wasserstraße werden neu gegraben, 37 erweitert und vertieft. Die Armee hat die Oberaufsicht über das Projekt in dieser für die nationale Sicherheit so sensiblen Region. 17 Firmen, auch solche der Armee, wurden mit den Arbeiten betraut. Sisi forderte die Ingenieure auf, die Grabungsarbeiten in nur einem Jahr abzuschließen; geplant waren drei. Mit dem Ausbau könnten täglich 97 - heute 49 - Schiffe den Kanal passieren, was nach dem Chef der Kanalbehörde Mohab Mamish eine Steigerung der bisherigen Einnahmen von jährlich auf rund zehn Milliarden Dollar im Jahr 2023 zur Folge hätte.

Der Ausbau ist nur ein Bestandteil des Mammutprojekts einer Wirtschaftszone entlang der Suezkanalachse von Suez bis Port Said. Es umfasst neue Häfen, Flughäfen, Industrieparks und ein "Silicon-Valley" in der Stadt Ismailiya. Im Endausbau sollen eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Regierung hat die Projektarbeiten bereits ausgeschrieben. 14 Konsortien kamen in die Endauswahl. Der Gewinner soll in Kürze bekanntgegeben werden. Für den Bau der Infrastrukturvorhaben in dieser Region kommen dann auch internationalen Firmen zum Zug. Die Investitionen werden auf etwa 7,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Börse in Kairo hat auf die neuen Möglichkeiten mit einem Sprung des Indexes EGX30 auf mehr als 9000 Punkte reagiert; eine Marke die zuletzt 2008 erreicht wurde.

Mehrere Großinvestitionen

Mit den Großprojekten wolle man aus der Armut ausbrechen, erklärte Sisi. Der Ausbau des Suezkanals ist deshalb nicht das Einzige auf seiner Liste. Er kündigte auch an, Toshka fertigzustellen. Dabei handelt es sich um ein Prestigeprojekt zur Bewässerung der Wüste im Süden Ägyptens, das von Expräsident Hosni Mubarak initiiert wurde. Es ist in den vergangenen 15 Jahren nicht einmal zu zehn Prozent fertiggestellt worden. Kernstück ist ein 240 Kilometer langer Kanal vom Nasser-Stausee nach Wadi Gedid. 840.000 Hektar hätten fruchtbar gemacht werden sollen. Mehr als 8400 davon werden heute nicht bewirtschaftet. Vor allem will niemand in den Hitzegebieten leben, wo es mit dem Wasser nun auch noch tropisch-feucht ist. Ausländische Investoren haben sich wieder zurückgezogen. Wie viele Milliarden mit Toshka bereits in den Sand gesetzt wurden, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Im Budget scheinen die Ausgaben nicht auf.

Fast beiläufig erwähnte Sisi auch die Idee zu einer neuen Hauptstadt, die im Ministerium für Wohnbau ausgearbeitet und in drei Etappen über zwölf Jahre realisiert werden soll, wenn Ägyptens Bevölkerung um weitere 26 Millionen gewachsen sein wird. Fast alle Versuche, neue Städte zu bauen, um das Niltal und den Molloch Kairo zu entlasten, sind in den vergangenen Jahrzehnten bisher aber gescheitert. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 7.8.2014)

  • Mit dutzenden Baggern und Nationalflaggen inszenierte Ägyptens Regierung den Spatenstich zum Suezkanal-Großprojekt.
    foto: reuters

    Mit dutzenden Baggern und Nationalflaggen inszenierte Ägyptens Regierung den Spatenstich zum Suezkanal-Großprojekt.

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