Ex-YLine-Aufsichtsrat sah Liquiditätsprobleme

6. August 2014, 13:13
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Früherer Aufsichtsrat wurde als erster Zeuge befragt

Wien - Im Strafprozess um die Pleite der Internet-Firma YLine im Herbst 2001 wurde heute ein früherer Aufsichtsrat als erster Zeuge befragt. Der heute 71-Jährige sagte im Zeugenstand aus, er habe zu Jahresbeginn 2001 Liquiditätsprobleme in dem Unternehmen gesehen. Es habe Probleme mit Zahlungen gegeben sowie später einen Warnbrief der Wirtschaftsprüfer. Schließlich sei er als Aufsichtsrat ausgeschieden.

YLine war im September 2001 in Konkurs gegangen, der Masseverwalter hatte 2002 Anzeige erstattet.

Die YLine sei ein Start-up gewesen, daher habe ihn die Tätigkeit als Aufsichtsrat interessiert. Zuvor sei er nur bei etablierteren Firmen bzw. Banktochterunternehmen in Aufsichtsräten gesessen. Das Geld der YLine sei im wesentlichen aus Aktienemissionen gekommen, ein normaler Umsatz sei "erst im Entstehen" gewesen, schilderte der frühere Aufsichtsrat die Lage. Als Aufsichtsrat habe er das auch thematisiert: "Ich habe gesagt wir sehen eigentlich nur Kosten, das ist kein Zustand". Daraufhin seien Maßnahmen zur Reduktion von Personalkosten in Tochterunternehmen getroffen worden.

Dominante Stellung

Die Schilderungen des Zeugen bestätigten auch, was zuvor schon öfter gesagt worden war: Der YLine-Gründer und Chef Werner Böhm hatte im Unternehmen bzw. im Vorstand eine dominante Stellung inne. Er glaube nicht, dass die Finanzvorständin wesentliche Entscheidungen ohne Böhm getroffen habe, sagte der Zeuge heute aus.

Als der Zeuge dann von Verteidigern teils intensiv befragt wurde, musste Richterin Marion Zöllner Anwalt Michael Dohr mehrmals ermahnen. Er solle "Zwischentöne" unterlassen.

Der heutige achtzehnte Verhandlungstag war zu Mittag bereits wieder zu Ende. Zwei weitere geladene Zeugen kamen nicht. Der Prozess im Wiener Straflandesgericht geht morgen um 9.30 Uhr mit weiteren Zeugeneinvernahmen weiter.

Die Anklage spricht u. a. von Untreue und gewerbsmäßigem schwerem Betrug, der Strafrahmen reicht bis zu zehn Jahren Haft. Allein der durch die Untreuhandlungen bei der YLine verursachte Schaden beläuft sich laut Anklageschrift auf über 26 Mio. Euro. Hauptangeklagter ist Ex-Firmenchef Werner Böhm. Der heute 50-Jährige hat alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe immer bestritten, ebenso die anderen Angeklagten. (APA, 6.8.2014)

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